Bildung
Schavan will Nachwuchs-Fonds für Ingenieure

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will noch vor der Bundestagswahl zu einem Spitzentreffen einladen: Gemeinsam mit Wirtschaft, Forschungsorganisationen und Hochschulen will sie einen "Nachwuchs-Fonds" gründen, der Jung-Ingenieure und Facharbeiter auffängt, die nach der Lehre nicht übernommen werden.

BERLIN. "Wir dürfen Ingenieure, die jetzt in der Krise fertig werden, nicht verlieren“, sagte Schavan dem Handelsblatt, „wir müssen verhindern dass sie ins Ausland gehen“. Zudem dürfe „die positive Stimmung, die zuletzt zu stark steigenden Anfängerzahlen in Ingenieurfächern geführt hat, nicht abbrechen – hier darf keine Delle entstehen", mahnte sie.

Wegen der demografischen Entwicklung sei es enorm wichtig, jetzt dafür zu sorgen, den im Aufschwung drohenden massiven Fachkräftemangel im Ansatz zu bekämpfen. An dem Treffen sollen neben der Wirtschaft und den großen Forschungsorganisationen wie etwa der Fraunhofer-Gesellschaft auch Präsidenten der technischen Universitäten und der Fachhochschulen teilnehmen.

Zuletzt hatte die Wirtschaft deutlich zögerlicher Ingenieure eingestellt. Die Lücke zwischen Arbeitslosen Ingenieuren und offenen Stellen sank im Juli auf 30 000. Doch bis 2015 könnten der Wirtschaft rund 250 000 Fachkräfte im technischen Bereich fehlen, mahnte das Institut der Deutschen Wirtschaft.

Zugleich will Schavan sich "einen Überblick verschaffen, wie hoch die Zahl der Auszubildenden ist, die jetzt eine technische Lehre beenden, aber nicht übernommen werden". Auch hier müsse man womöglich "einen Schirm aufspannen". Bei Bedarf könnte man dafür Mittel der Bundesagentur für Arbeit einsetzen – "und zwar über das Kurzarbeitergeld hinaus, das neuerdings auch für Berufsanfänger im technischen Bereich gezahlt wird".

Die Idee einer Auffanglösung für Berufseinsteiger kommt aus Bayern: Im Freistaat haben der Verband der bayrischen Metallarbeitgeber und die IG Metall unlängst eine „Beschäftigungsbrücke“ für Jung-Ingenieure und Jung-Facharbeiter errichtet. Danach stellen zwei eigens dafür gegründete Gesellschaften die Fachkräfte ein und leihen sie an mindestens vier Tagen pro Woche an Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes aus. Sie werden nach Tarif bezahlt, allerdings abzüglich von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. In der übrigen Zeit sollen sie nach Bedarf weiterqualifiziert werden. Finanziert wird die Maßnahme zu großen Teilen über das Kurzarbeitergeld. In Baden-Württemberg ist eine ähnliche Aktion in Vorbereitung, heißt es beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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