Bildungspolitik
Deutschland spart an seinen Schülern

Deutschland gibt weniger Geld für das Schulwesen aus als viele andere Länder. In Hessen und Nordrhein-Westfalen sind die Ausgaben pro Schüler und Student besonders niedrig. Die Stadtstaaten bringen die meisten Akademiker hervor.

BERLIN. Im Jahr 2003 wurden insgesamt 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Schulwesen in Deutschland ausgegeben. Im Schnitt der OECD-Staaten waren es 3,8 Prozent. Auch im Hochschulbereich liegt Deutschland knapp unter dem internationalen Durchschnitt. Das geht aus einer Übersicht des Statistischen Bundesamtes zur Bildung in Deutschland hervor.

Der Report bricht die Ergebnisse einer am Dienstag veröffentlichten OECD-Studie auf die Bundesländer herunter. Deren Ausgaben für ihre Schüler und Studenten differieren stark: So geben Hamburg und Thüringen etwa für ihre Grundschüler pro Jahr 6 000 Euro aus. Am anderen Ende der Skala liegen Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland mit nur 4 100 Euro. Insgesamt liegt Deutschland mit 4 400 Euro deutlich unter dem OECD-Schnitt von 4 800 Euro.

Bei den Gesamtausgaben pro Schüler und Student liegt Deutschland zwar über dem OECD-Schnitt (s. „Jährliche Bildungsausgaben“). Das liegt aber vor allem an den hohen Ausgaben der Wirtschaft für die berufliche Bildung. Bei den Ausgaben für allgemein bildende Schulen von Klasse fünf bis zum Abitur liegt erneut Hamburg vorn. Relativ viel Geld investieren auch Bayern und Thüringen, am wenigsten das Saarland und Rheinland-Pfalz. Für Studenten geben Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen pro Kopf jährlich 14 000 bis 15 000 Euro aus. In Hessen und Nordrhein-Westfalen dagegen sind es weniger als zwei Drittel dieser Summe.

Eine Grundschulklasse hatte in Deutschland 2004 durchschnittlich 22 Schüler, im Sekundarbereich I (Klassen 5 bis 10) waren es 25 – etwas mehr als im OECD-Schnitt. Die größten Grundschulklassen gab es in Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit je 24 Schülern. Am besten ist die Quote in den neuen Ländern (außer Brandenburg), dort sind es nur 17 bis 18 Schüler.

Weit überdurchschnittlich ist das Bildungsniveau der Deutschen insgesamt: 2004 lag der Anteil der 25- bis 64-Jährigen, die mindestens Abitur, eine Lehre oder eine Berufsfachschule abgeschlossen haben, mit 84 Prozent deutlich über dem OECD-Schnitt von 67 Prozent. Die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen ist dabei jedoch nur minimal besser ausgebildet(85 Prozent). Spitzenwerte erreichen die neuen Länder mit gut 90 Prozent, im Westen hat Bayern die am besten ausgebildeten jungen Erwachsenen. Am niedrigsten ist das Niveau in Bremen.

Deutlich schlechter steht Deutschland international bei der Akademikerquote da: Am höchsten ist diese noch in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen, wo gemessen am Altersjahrgang heute die meisten jungen Menschen ein Studium abschließen. An der Spitze liegt Berlin mit 30 Prozent, es folgen Hamburg (28) und Bremen (26) – vor allem weil sie viele Studenten aus dem Umland anziehen. Aber auch die Stadtstaaten liegen damit noch deutlich unter der Akademikerquote der OECD-Industrienationen, wo mittlerweile 35 Prozent einen Hochschulabschluss erwerben. Dies hatte die OECD als einen gravierenden Standortnachteil Deutschlands bezeichnet.

Für ganz Deutschland liegt die Quote bei 20,6 Prozent. Von den Flächenländern schneiden Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz (je 22) und Niedersachsen (21) am besten ab. Auf gut 20 Prozent kommen Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen, Bayern liegt mit 19 Prozent relativ weit hinten.

Der Anteil der Ingenieure und Naturwissenschaftler an den Hochschulabsolventen ist in Deutschland überdurchschnittlich hoch und liegt mit 31 Prozent nach Südkorea international an der Spitze. Dass die deutsche Wirtschaft gleichwohl über einen Mangel in diesen Disziplinen klagt, liegt daran, dass die Akademikerquote so gering ist. Relativ gesehen liegen alle Bundesländer beim Anteil naturwissenschaftlich-technischer Abschlüsse über dem OECD-Schnitt von einem Viertel – außer Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg und Sachsen sind es sogar mehr als ein Drittel der Absolventen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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