Björn Höcke
AfD-Konflikt mit Top-Parteifunktionär eskaliert

Thüringens AfD-Chef Höcke gerät wegen seiner Äußerungen über die NPD immer stärker unter Druck. Nachdem Gefolgsleute auf Distanz gingen, fordert nun Bundeschef Lucke, er solle zurücktreten und die Partei verlassen.
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BerlinDer Thüringer Landes- und Fraktionschef der Alternative für Deutschland (AfD), Björn Höcke, steht schon länger wegen seiner unklaren Haltung zur rechtsextremen NPD parteiintern in der Kritik. Ein Interview mit der „Thüringer Allgemeinen“ brachte nun das Fass zum Überlaufen: „Ich gehe nicht davon aus, dass man jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen kann“, hatte Höcke gesagt.

Für den Bundesschef der AfD, Bernd Lucke, hat Höcke damit eine rote Linie überschritten. „Ich fordere Höcke auf, umgehend alle Ämter niederzulegen und aus der AfD auszutreten“, sagte Lucke der „Thüringer Allgemeinen“. „Seine Äußerungen zur NPD offenbaren Uneinsichtigkeit und einen erschreckenden Mangel an politischem Urteilsvermögen“, so Lucke.

In einer Pressemitteilung hatte Höcke zuvor erklärt, dass sich sein Landesverband, seine Fraktion und er selbst „immer klar und deutlich von der NPD und anderen extremistischen Organisationen abgegrenzt“ hätten. Gleichzeitig hätten aber auch Anhänger extremistischer Strömungen einen „Anspruch auf politische Resozialisierung“.

Höcke hält es zudem „schlicht für falsch, sämtliche Mitglieder dieser Partei über einen Kamm zu scheren und ihnen nicht zuzugestehen, dass auch sie in der Lage sind, einmal gewonnene falsche Überzeugungen zu überdenken und einen politischen Lernprozess erfolgreich zu absolvieren“.

Lucke wies diese Formulierungen scharf zurück. „Die NPD und ihre Mitglieder sind extremistisch nicht nur, weil sie rassistisch und fremdenfeindlich sind, sondern auch, weil sie unsere parlamentarische Demokratie aktiv bekämpfen und zerstören wollen“, sagte der AfD-Chef. Das dürfe nicht verharmlost werden, indem man NPD-Mitglieder als „politische Resozialisierungsfälle“ auffasse, wie Höcke das tue. Resozialisierung setze Reue und Abkehr voraus. „Auch Kriminelle können nur resozialisiert werden, wenn sie nicht mehr kriminell sind“, so Lucke.

Die deutlichen Worte Luckes sind nicht verwunderlich. Zwischen ihm und Höcke hatte es schon öfter gekracht. Einmal, nachdem Höcke überraschend seine „Erfurter Resolution“ lanciert hatte. Die Resolution spricht sich gegen eine Anpassung der Partei an den Mainstream aus und forderte eine stärker rechtsnationale Ausrichtung der AfD. Und jetzt wegen des NPD-Themas.

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Auch der rechte AfD-Flügel wendet sich von Höcke ab

Kommentare zu " Björn Höcke: AfD-Konflikt mit Top-Parteifunktionär eskaliert"

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  • ... ein Chance zur Selbstreinigung sollte man der Partei auch zugestehen!!! Unbedingt!!!

  • Ich bin sehr froh, daß es die AFD gibt und ich hoffe man gibt ihr eine faire Chance - auch seitens der Medien !!! Eurokritisch zu sein ist mehr als angebracht, die immer wieder unterstellte ablehnende Euro-Haltung ist doch unsachlich.
    Man lese einfach einmal das Parteiprogramm... steckt vieles drin. Udem lehne Ich diesen CDU-SPD-CSU-Grünen Einheitsbrei ab

  • Herr Höcke ist mittlerweile einfach untragbar für die AfD. Angefangen bei den frappierenden Ähnlichkeiten in Wort und Schrift und den Argumentationslinien zwischen dem NPD Autor Landolf Ladig und Höcke, für die es immer noch keine Erklärung gibt und seiner Weigerung die Eidesstattliche Versicherung zu unterschreiben, dass er nichts damit zu tun hat, bis hin zur Relativierung und Verharmlosung von NPD-Mitgliedern. Der Bundesvorstand hat diese Versicherung einstimmig gefordert, und ich habe keinen Zweifel daran, dass Herr Lucke die Forderung zum Parteiaustritt mit dem Bundesvorstand abgesprochen hat!
    Höcke muss gehen, und seine Fans ebenso, damit endlich Ruhe einkehrt in die AfD. Seine Jünger, die ihm blind wie einem Führer folgen, sollten sich ehrlich und mit dem "Mut zur Wahrheit" einmal fragen, ob die AfD tatsächlich ihre politische Heimat ist, oder ob man dort nur eingetreten ist um NICHT mit einer anderen Partei, deren Gesinnung man mitträgt, identifiziert zu werden!
    Ohne eine klare Abgrenzung zum rechten Rand und den Rauswurf Höckes hätten immer mehr wichtige gesellschaftliche Multiplikatoren (Ärzte wie im Fall Stuttgart, Professoren, Selbständige) der AfD als Mitglied den Rücken gekehrt, Sie können es sich nämlich einfach nicht leisten mit Leuten wie Herrn Höcke in Verbindung gebracht zu werden.
    Deswegen hat Herr Lucke richtig gehandelt, um noch größeren Schaden von der AfD abzuwenden. Rechtsextremismus ist keine Alternative für Deutschland. Danke Bernd Lucke.

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