Boris Palmer
Der Star von Stuttgart 21

Stuttgart 21 kennt nicht nur Verlierer - einer, der von dem Projekt besonders profitiert, ist der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Keiner hat sich bei den Sitzungstagen mehr profiliert als der umtriebige Grüne - da kann es ihm beinahe egal sein, welches Ergebnis heute verkündet wird.
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STUTTGART. Das größte Lob kommt ausgerechnet vom härtesten Gegner: „Hätten Sie Lust, bei uns als Planer zu arbeiten?“ fragt Bahn-Vorstand Volker Kefer rhetorisch beim letzten Schlichtungsgespräch zum umstrittenen Tiefbahnhof Stuttgart 21. Doch Boris Palmer, der gerade wortstark für das Alternativprojekt geworben hatte, lässt sich nicht locken. „Ich habe einen Job, der nicht gut bezahlt ist, aber hohe Zufriedenheit bringt“, sagt der grüne Oberbürgermeister von Tübingen.

Egal, welches Ergebnis Schlichter Heiner Geißler heute verkünden wird – Palmer gehört schon jetzt zu den Gewinnern. Keiner hat sich bei den neun Sitzungstagen mehr profiliert als der eloquente Mathematiker. Zahllose Berichte in den Nachrichtensendungen, seitenweise Präsenz in den Printmedien und Live-Übertragung im Internet – den Tübinger Oberbürgermeister kennt inzwischen die ganze Republik. Dabei ist der 38-Jährige gerade in Elternzeit und saß deshalb nur als Privatmann und nicht in offizieller Funktion am Schlichtungstisch. Palmer war nicht nur Wortführer der Grünen, er prägte die Schlichtungsgespräche: immer hellwach, aufmerksam und konditionsstark meisterte er dieses Marathon. Allenfalls Baden-Württembergs Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner und Bahn-Vorstand Kefer waren ihm gewachsen. Und wo war Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster? Palmer degradierte ihn zur Randfigur. Noch ziert sich Palmer, bei der nächsten OB-Wahl in Stuttgart anzutreten.

Aber Beobachter gehen fest davon aus, dass es bei Palmer trotz der „hohen Zufriedenheit“ in seinem Job nur eine Frage der Zeit ist, wann er zu Höherem aufsteigt. In seiner Heimatstadt Tübingen haben ihm die nachgesagten Ambitionen bereits harsche Kritik eingetragen. Aber Palmer ficht das nicht an.

Stattdessen schwört er seine Heimatstadt unter dem Motto „Tübingen macht blau“ auf Energieeffizienz und alternative Energiequellen ein. Und überrascht selbst Gegner mit der Geschwindigkeit, mit der er die Projekte umsetzt.

Kommentare zu " Boris Palmer: Der Star von Stuttgart 21"

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  • Genug der Lobeshymnen, die sind nämlich verfehlt.
    Palmer ist eine riesige Mogelpackung, wenn auch rhetorisch gut. Die Stadt Tübingen, deren Ob er ist, ist mit deutlicher Mehrheit für das Projekt S21. Wie kann er die interessen seiner Stadt vertreten, wenn er doch gegen Sie arbeitet?
    Ausserdem hat er bewiesen, dass er von Finanzierung aber auch gar keine Ahnung hat. bei den Ausstiegskosten ignoriert er einfach ca. 1 Mrd., die die Stadt für die Rücknahme der Grundsstücke zahlen muss(hatte die Stadt von der bahn gekauft, um Grundstücksspekulationen vorzubeugen und einen ökologischen Stadtteil für ca. 15.000 Einwohner zu realisieren, angesichts des Wohnungsmangels in Stuttgart). Das sind Rückabwicklungskosten, die anfallen, und nicht , wie von Herr Palmer behauptet, Luftbuchungen. S21 ist die perfekte bühne für die Selbstdarstellung und Selbstbeweihräucherung eines lokalen Grünen-Politikers, der gerne ein bischen in bW oder in berlin mitregieren möchte.

  • Hut ab vor guten Rhetorikern. Seine Fraun ist allerdings zu bedauern. Der Sinn einer Elternzeit ist sicher nicht bezahlt vom Steuerzahler als "Privatmann" Politik in Sitzungsmarathons zu machen. ich würde soviel Rückgrat verlangen zumindestens die Elternzeit zu unterbrechen. Familienpolitisch ist es auf jeden Fall ein Fehlschlag.

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