Briefbomben
Bundesanwälte sehen auch Politiker gefährdet

Zu den Adressaten italienischer Briefbomben-Attentäter könnten neben Deutsche Bank-Chef Ackermann auch deutsche Politiker gehören. Das LKA in Hessen geht offenbar davon aus, dass es noch weitere Sprengsätze gibt.
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BerlinDas hessische Landeskriminalamt (LKA) sieht einem Zeitungsbericht zufolge nach dem vereitelten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auch Politiker gefährdet. „Als Adressaten kommen neben Banken und deren Verantwortungsträgern auch politische Entscheidungsträger in Betracht“, zitierte die Zeitung „Welt am Sonntag“ aus einem ihr vorliegenden vertraulichen Schreiben des LKA an 30 große Wirtschaftsunternehmen und Banken.

Die Behörde geht demnach zudem davon aus, dass noch weitere Sprengsätze im Umlauf sein könnten, da in dem als authentisch gewerteten Bekennerschreiben einer italienischen Terrorgruppe von mehreren Explosionen die Rede sei. Darin heißt es den Angaben zufolge, „Krieg dem Europa der Bankiers, Tod den Blutsaugern, die uns regieren“. Wer genau sich noch im Visier der Attentäter befinden könnte, ist dem LKA-Schreiben zufolge aber kaum einzugrenzen. „Die in Rede stehenden Briefbomben“ könnten europa- oder sogar weltweit versandt worden sein.

Die Bundesanwaltschaft erklärte, die weiteren Ermittlungen werde das Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit der hessischen Polizei führen. Grund für das Einschreiten der Karlsruher Behörde war das in italienischer Sprache verfasste Bekennerschreiben. Nach bisherigen Erkenntnissen habe die linksextremistische Gruppe Federazione Anarchica Informale (FAI) zwischen 2004 und 2010 mehrere Anschläge auf die Polizei und Institutionen der öffentlichen Verwaltung in Italien begangen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Sie soll auch 2003 einen rechtzeitig entschärften Sprengsatz an den damaligen Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, verschickt haben.

Am Mittwoch war in der Poststelle der Deutschen Bank in Frankfurt (Main) ein verdächtiger Brief an Ackermann abgefangen worden. Eine polizeiliche Untersuchung ergab, dass sich in dem Umschlag eine voll funktionsfähige Bombe befand. Zu dem Anschlag bekannte sich die FAI, die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt. Auch in Italien explodierte am Freitag eine Paketbombe. Das an den Generaldirektor der Steuereinzugsgesellschaft Equitalia, Marco Cuccagna, adressierte Päckchen verletzte diesen schwer. Bei dem Anschlag in Rom verlor der Chef der Steuerbehörde ein Fingerglied, als ein mit der Post geliefertes Päckchen explodierte. Die deutschen Ermittlungsbehörden hatten am Donnerstagabend vor zwei weiteren Sprengsätzen gewarnt, die möglicherweise verschickt worden seien.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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