Bücher
Warum man Löwen für den Frieden braucht

Im Auswärtigen Amt schreibt man nicht nur Vermerke, sondern auch Bücher. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat vorgelegt, sein Staatsminister Gernot Erler zieht nach.

BERLIN. Im Auswärtigen Amt hat man sich selbst immer schon zu den kreativen Häusern in der Bundesregierung gezählt. Aber jetzt werden dort nicht nur Vermerke, sondern erstaunlich viele Bücher geschrieben. Deshalb steht der frisch gebackene Buchautor (und Außenminister) Frank-Walter Steinmeier nun in den Räumen der Commerzbank in Berlin-Mitte und lobt den Buchautoren (und Staatsminister) Gernot Erler in höchsten Tönen. Launig erzählt der SPD-Kanzlerkandidat, warum "Löwen und Giraffen" für den Ansatz der deutschen Außenpolitik so wichtig sind - und warum die Große Koalition den Frieden selbst nach Kenia bringen kann.

Erlers Vermittlungsmission in Kenia 2007 gilt als Paradebeispiel für die von der SPD beschworene "Politik durch Dialog". Angesichts des blutigen Machtkampfs in dem Land habe man sich in der Uno-Spitze erinnert, dass die Deutschen doch dieses "komische Ding, die Große Koalition", haben, erzählt Steinmeier. Also wurde Erler mit den Kenianern in einer Lodge mitten in der Savanne eingeschlossen. Während draußen Löwen und Giraffen eine Flucht unmöglich machten, erläuterte er ihnen - offenbar erfolgreich - die Vorzüge einer Machtteilung.

So anschaulich und direkt funktioniert Außenpolitik zwar selten. Aber die Episode passt zu gut zur Strategie der SPD, als dass Steinmeier sie übergehen könnte. Schließlich will seine Partei im Wahljahr eine Art ideologische Fundierung einer sozialdemokratischen Außenpolitik liefern. Die SPD sieht sich schließlich als "Friedenspartei" - weshalb Erler den nicht unbescheidenen Buchtitel "Mission Weltfrieden" wählte. Nebenbei wollen Steinmeier und Erler die Erinnerung an Willy Brandt hochhalten, der 1972 vom Außenministerium aus ins Kanzleramt einzog.

Also reden und schreiben die SPD-Politiker über eine "vorausschauende Außenpolitik". Also darf der Staatsminister, anders als der Vizekanzler, sogar offene Konflikte mit dem Koalitionspartner wagen. So wirft Erler der Union in der China-Politik nicht nur die populistische Inszenierung beim Dalai-Lama-Empfang vor, sondern den grundlegenden Schwenk zu einer "Politik der Konfrontation". Nur so kann sich die SPD mit ihrer "Politik des Dialogs" schließlich abheben.

Doch im Wahljahr enden auch Steinmeiers gedankliche Ausflüge schnell wieder in Berliner Gefilden. Nein, nein, es sei ein Gerücht, dass er nun auch Löwen für den Koalitionsausschuss bestellt habe, um Einigungen zu erzwingen, flachst er. Im Übrigen sei dies in Berlin auch nicht nötig. "Schließlich gibt es Journalisten, die diese Rolle der Löwen gern übernehmen und Teilnehmer abfangen, wenn sie das Kanzleramt verlassen." Dass in Berlin auch Hyänen warten, unterschlägt er.

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