Bund setzt Förderung fort
Die Ganztagsschule soll 2020 der Normalfall sein

Die Ganztagsschule soll im Laufe der kommenden zwölf Jahre in Deutschland zum Normalfall werden. Das sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die saarländische Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). „Wir holen nach, was in vielen Länder Europas selbstverständlich ist.“

BERLIN. Das wünschen sich Umfragen zufolge schon heute gut die Hälfte der Eltern. Auch die Wirtschaft ist sowohl an der Verfügbarkeit der Eltern als auch an der Bildung interessiert. So will etwa Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, „flächendeckende Ganztagsschulen, damit alle Kinder wenigstens von 8 bis 16 Uhr die Chance auf eine ordentliche pädagogische Betreuung haben.“

Die Länder erfüllen diese Forderung bislang jedoch in höchst unterschiedlicher Weise. Dank des noch von Rot-Grün 2003 mit vier Mrd. Euro dotierten Förderprogramm des Bundes hat sich seit 2004 die Zahl der Ganztagsschulen zwar von 1 000 auf 7 000 erhöht – das entspricht fast jeder fünften Schule. Obwohl das Programm jedoch ursprünglich schon Ende 2008 auslaufen sollte, haben NRW und Hessen bis Ende August gerade mal gut 70 Prozent der Mittel abgerufen. Auch Bayern liegt mit einer Quote von gut drei Viertel weit hinten. Bremen, Thüringen und Berlin hingegen haben die Förderung, die sie nicht kofinanzieren müssen, bereits fast ausgeschöpft. Das zeigt die Zwischenbilanz des Bundesbildungsministeriums, die dem Handelsblatt vorliegt. Insgesamt sind von den vier Mrd. erst 3,16 Mrd. abgeflossen.

Zudem wird das Geld höchst unterschiedlich verwendet: Nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW hat Bayern die niedrigste Versorgungsrate von rund vier Prozent – Spitzenreiter seien mit mehr als 30 Prozent Berlin, Hamburg, Sachsen und Thüringen. Das Programm wurde bis 2009 verlängert, damit die Länder das Geld ausgeben können.

Von den Kindern, die eine Ganztagsschule besuchen, nutzen heute 56 Prozent das meist freiwillige Angebot, auch am Nachmittag zu bleiben – „Tendenz steigend“, sagte Schavan.

Der Bund wird die Ganztagsschulen auch nach 2009 weiter fördern, kündigte Schavan an, ohne jedoch ein Volumen zu nennen. Sie will vor allem die pädagogische Arbeit fördern, hat aber auch weitere Baumaßnahmen ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Personalkosten für Sozialarbeiter, wie sie die SPD fordert, werde der Bund aber nicht tragen.

Die offene Ganztagsschule, in der der normale Vormittagsunterricht meist mit einem Hort kombiniert ist, könne „nur die erste Phase sein, um die Akzeptanz bei den Eltern zu erhöhen“, sagte die Bundesbildungsministerin, die als Landesministerin in Baden-Württemberg noch zu den Gegnern des Programms zählte. „Wir müssen weg von der Unart, acht Schulstunden hintereinander zu unterrichten“, sagt sie bei einem Ganztagsschulkongress am Wochenende. Mit der Verteilung des Unterrichts über den ganzen Tag müsse auch über die Lehrerpräsenzpflicht geredet werden. Die Kultusminister scheuen diesen Konflikt bisher.

Einen zentralen Beitrag zur pädagogischen Aufrüstung der Ganztagsschulen erhoffen sich Kramp-Karrenbauer und Schavan von den Serviceagenturen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Deren rund hundert Mitarbeiter versorgen die Schulen in 14 Ländern mit Informationen und sorgen für länderübergreifenden Austausch. Nur Bayern und Baden-Württemberg verzichten bislang auf dieses vom Bund mit finanzierte Angebot. Zumindest mit Stuttgart seien die Verhandlungen jedoch auf gutem Wege, sagte Stiftungschefin Heike Kahl dem Handelsblatt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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