Bundespräsident Gauck
„Wählt den Mut“

Diesen Bundespräsidenten haben sich die Deutschen gewünscht. Jetzt redet Joachim Gauck uns ins Gewissen. Er fordert mehr Zuversicht und macht klar: Hilfe können nur die erwarten, die sich auch selbst helfen wollen.
  • 54

BerlinFünf Tage nach seiner Wahl ist der neue Bundespräsident Joachim Gauck vereidigt worden. Der 72-Jährige leistete am Freitag in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat seinen Eid. Gauck ist das elfte Staatsoberhaupt der Bundesrepublik. Er sprach die von der Verfassung vorgegebene Eidesformel mit dem Zusatz: „So wahr mir Gott helfe“. Der elfte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland schwor seinen Eid auf die Originalausgabe des Grundgesetzes.

Unmittelbar nach seiner Vereidigung rief Gauck die Menschen in Deutschland zu Zuversicht auf. „Ängste vermindern unseren Mut wie unser Selbstvertrauen. Und manchmal so entscheidend, dass wir beides ganz und gar verlieren können“, sagte Gauck in seiner ersten wichtigen Rede.

Ein Passus aus seiner Rede dürfte allerdings noch für Diskussionsstoff sorgen. Zwar sagte Gauck sagte, dass Deutschland ein Land sein soll, das „soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschance“ miteinander verbindet. Aber er fügte auch hinzu: „Der Weg dazu ist nicht der einer paternalistischen Fürsorgepolitik, sondern ein Sozialstaat, der vorsorgt und ermächtigt“, sagte Gauck. Niemand dürfe den Eindruck haben, kein Teil der Gesellschaft zu sein, weil er „arm, alt oder behindert“ ist.

In seiner Rede bezeichnet Bundespräsident Joachim Gauck Deutschland weiter als „Land des demokratischen Wunders“. Entgegen aller Skepsis habe Deutschland nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges eine „stabile demokratische Ordnung“ herstellen können, sagte das Staatsoberhaupt bei seiner Vereidigung im Deutschen Bundestag am Freitag. Er lobte in diesem Zusammenhang auch die 68-Bewegung in Westdeutschland und das Streben nach Freiheit der Bürger in Ostdeutschland.

Bundestagspräsident Norbert Lammert bezeichnete die Wahl Gaucks als Zeichen des unaufhaltsamen Fortschritts beim Zusammenwachsen von Ost und West. Das erste in der DDR aufgewachsene Staatsoberhaupt habe das Leben in Unfreiheit persönlich erlebt, sagte Lammert vor der Vereidigung. Gauck werde getragen von einer Woge der Sympathie. Die Erwartungen an ihn seien hoch.

Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Gaucks Wahl als wichtigen Meilenstein in der Geschichte Deutschlands. Der ostdeutsche Theologe stehe wie kaum ein Zweiter für den Satz der friedlichen Revolution in der DDR von 1989 „Wir sind ein Volk“, sagte der bayerische Ministerpräsident, der zwischenzeitlich kommissarisches Staatsoberhaupt war.

Lammert und Seehofer dankten dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff, er habe wichtige Impulse für Zusammenhalt und Integration gesetzt. Wulffs Frau Bettina habe „dem modernen Deutschland ein Gesicht gegeben“, sagte Seehofer.

Kommentare zu " Bundespräsident Gauck: „Wählt den Mut“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Interessant ist immer die Argumentation, dass der andere dumm ist, wenn er eine andere Meinung vertritt. Auch hier wieder. Schade. Ich hatte eigentlich gehofft, dass man im Jahre 2012 schon eigentlich Demokratie irgendwie integriert hat und somit auch andere Meinungen zumindest zulassen kann ohne dass daraus direkt ein persönlicher Angriff wird.
    Es gibt einen Block, die gegen die jetzige Politik ist und dann gibt es diejenigen die dafür sind, doch die Argumente, die dann gebracht werden, sind oft ziemlich unter der Gürtellinie, wie total ungebildet, Bauern und weiss der Teufel, was noch so alles. Warum ist es den Befürwortern der jetzigen Politik so schwer, um sachliche Argumente vorzubringen?

  • Das ist schön auf den Punkt gebracht. Die Politik ist dermassen demotivierend, wenn sie sich so verhält, wie sie es tut. Früher war es möglich, um mit harter Arbeit sich ein gutes Leben möglich zu machen. In der Zwischenzeit jedoch stellt man sich öfter die Frage, wofür eigentlich? Um dann Steuern zu bezahlen und irgendwelche Sozialleistungen wie Rente, die man dann selbst nicht in Anspruch nehmen kann, weil die Gelder verprasst wurden. Die Tendenz von Totalverweigerung ist steigend in Europa (nicht nur in Deutschland). Man sieht dieses Phänomeen nun auch immer deutlicher bei Schülern. Und was soll man den Kindern erzählen? Arbeite hart, aber die Früchte ernten doch nur andere?

  • • Wir haben ihm direkt geschrieben. Hoffentlich antwortet er Ihnen und uns überhaupt. Allerdings will ich kein Geschwafel hören, bzw. lesen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%