Bundespräsidenten-Wahl
Viel Skepsis bei SPD-Feier für Schwan

Die Genossen ließen sich Zeit. Als bei der Union schon in Vorfreude über den sicher geglaubten Sieg für Horst Köhler bei der Wahl zum Bundespräsidenten kräftig gefeiert wurde, kam die SPD erst langsam in die Gänge. Die meisten Mienen zeigten sich skeptisch: Nur durch ein Wunder könne Gesine Schwan Köhler noch ausbooten.

HB BERLIN. Um 20.30 Uhr füllte sich allmählich der schicke Hamburger Bahnhof in Berlin-Mitte, wo sonst moderne Kunst zu besichtigen ist. Für die 418 SPD-Delegierten zur Präsidenentwahl samt Anhang sowie mehreren hundert weiteren Gästen standen edle Weine und spanische Tapas bereit. Eine Band versuchte, mit lautem Trommeln auf knallroten Ölfässern trotz der schlechten Aussichten für die Kandidatin gute Stimmung zu machen. Trotzdem blieben die meisten Mienen mit Blick auf den Samstag skeptisch. Wenn nicht noch ein Wunder geschehe, werde es Gesine Schwan wohl auch im zweiten Anlauf nicht schaffen, waren sich viele einig.

Immerhin einen richtigen Grund zum Gratulieren gab es: Gesine Schwan feierte am Freitag ihren 66. Geburtstag. Fraktionschef Peter Struck intonierte von der Bühne im Museumshof „Happy Birthday“, die illustren Gäste, darunter zahlreiche Künstler und Sportler, stimmten mit ein. Als Geschenk überreichte Struck der Professorin Bücher und CDs.

Die Außenseiterin im Präsidentenrennen gab sich unverdrossen kämpferisch. „Es war richtig zu kandidieren“, rief sie den Anhängern zu. Schließlich gehöre Wettbewerb zur Demokratie. Bei der Wahl um das höchste Staatsamt gehe es nicht um die Weichenstellungen für künftige Koalitionen. Aber wohin die politische Richtung gehe, darüber entscheide sich am Samstag schon ein Stück, gab sie möglichen Zweiflern in den eigenen Reihen mit auf den Weg.

Den SPD-Kanzlerkandidaten brauchte Gesine Schwan von ihren Qualitäten nicht erst überzeugen. Sie habe es sogar geschafft, einmal in Frankfurt/Oder einen Saal voller Studenten über zwei Stunden lang auf den Plätzen zu halten, als er sich bei der Anreise für einen Vortrag verspätet habe, erzählte Frank-Walter Steinmeier voll Anerkennung. Eine Person, die so etwas schaffe, sei für ihn die richtige Bundespräsidentin.

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