Bundesregierung berät über Schuldenerleichterungen für die ärmsten Entwicklungsländer
Eichel und Bundesbank uneins über Goldverkäufe des IWF

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hält Goldverkäufe des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Finanzierung der Armutsbekämpfung „grundsätzlich für einen gangbaren Weg“. Die Kritik der Bundesbank, die dies strikt ablehnt, habe man zur Kenntnis genommen, sagte Eichels Sprecher. Damit bahnt sich ein zweiter Konflikt um Goldverkäufe zwischen Eichel und der Notenbank an.

BERLIN. Ende vergangenen Jahres hatte es die Bundesbank abgelehnt, eigene Goldreserven zu verkaufen, um einen höheren Gewinn an den Bund ausschütten zu können.

Die Bundesbank hat in einem internen Prüfbericht sowohl den Verkauf von IWF-Gold abgelehnt als auch ein Heben stiller Reserven durch die Neubewertung der Goldbestände, die zu viel niedrigeren Werten als dem Marktpreis in den Büchern stehen. Der Marktwert des IWF-Goldes liegt bei 40 Mrd. Dollar, es wird in der Bilanz aber nur mit 8,5 Mrd. Dollar bewertet.

Auf ihrem Treffen im Februar in London hatten die Finanzminister der sieben größten Industriestaaten (G7) beschlossen, den 27 am stärksten verschuldeten Ländern ihre IWF-Schulden von zwölf Mrd. Dollar zu erlassen. Die G7 – USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada – sind die Großaktionäre des IWF.

Die stillen Reserven seien wichtig als Sicherheit für die Gläubiger des IWF, vor allem in Zeiten fortwährend hoher Kreditrisiken, berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung aus dem Bundesbank-Prüfbericht, dessen Inhalt von der Bundesbank gestern bestätigt wurde: Die IWF-Reserven seien der Grund dafür, dass die Notenbanken der Geberländer neue Finanzmittel zur Verfügung gestellt hätten.

Die Bundesregierung prüft allerdings nach Angaben des Eichel-Sprechers auch andere Möglichkeiten, den Schuldenerlass zu finanzieren. Dazu zählt die Einführung einer europäischen Kerosinsteuer. Der IWF selbst hält den Goldverkauf laut Äußerungen seines Chefs Rodrigo de Rato grundsätzlich für machbar. Das Thema soll auf der IWF–Frühjahrstagung ab 15. April in Washington diskutiert werden.

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