Bundestagswahl
Worauf sich Investoren einstellen

Morgan Stanley hat mögliche Folgen der Bundestagswahl analysiert. Schwarz-Gelb brächte den Euro unter Druck, Rot-Grün wäre keine gute Lösung für den Aktienmarkt und bei der Großen Koalition zögen die Bundesanleihen an.
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FrankfurtWomöglich ist es ein Job so ganz nach ihrem Geschmack: Programmierern für den superschnellen Computerhandel, die Software für den Ausgang der Bundestagswahl entwickeln, dürften in diesen Tagen die Köpfe rauchen. Die Herausforderung ist gewaltig. Denn abhängig von der künftigen Regierungskonstellation könnten Deutschland erhebliche Änderungen bei Steuergesetzen und in der Wirtschaftspolitik bevorstehen.

Außerdem haben die Parteien unterschiedliche Pläne für die europäische Integration und für den Umgang mit Banken. Für Devisen-, Anleihe- und Aktienmärkte lassen sich dadurch - je nach Kräfteverhältnis der Parteien - vielfältige Szenarien hochrechnen.

Die Ausgangslage scheint noch recht übersichtlich. In politischen Grundpositionen unterscheiden sich vier der fünf etablierten Parteien in den Augen von Investmentstrategen nur geringfügig. CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP wollen alle die europäische Integration voranbringen, die Energiewende vorantreiben und mehr Geld in den Bildungsbereich investieren. Markanter sind die Unterschiede in der Steuerpolitik, der Arbeitsmarktpolitik und bei der Regulierung der Finanzmärkte.

CDU/CSU und FDP wollen die Steuerpolitik im Großen und Ganzen so fortführen wie bisher. SPD und Grüne setzen dagegen auf Steuererhöhungen. Außerdem sind sie - anders als Union und die Liberalen - offen für die Einführung von Eurobonds. Auch bei der Frage nach einer effektiven Aufsicht der Kreditinstitute verfolgen die Regierungskoalition und die Opposition verschiedene Ansätze. Eine Einführung der an den Märkten heftig diskutierten Finanztransaktionssteuer scheint dagegen mit allen Parteien möglich.

Ein Hauptszenario für Investmentstrategen ist angesichts der aktuellen Umfragen die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition. In diesem Fall warnen die Experten von Morgan Stanley vor einer Abwertung des Euro. Ihre Argumentation: SPD und Grüne könnten ihre Niederlage darauf zurückführen, dass sie sich beim Thema Schuldenkrise inhaltlich von Schwarz-Gelb nicht deutlich genug abgesetzt haben.

Als Konsequenz könnten sie nun umsteuern und Angela Merkels Euro-Kurs - bei dem sich bedürftige Länder bis jetzt doch immer auf neue Hilfen verlassen konnten - torpedieren. Für Merkel wiederum werde es dadurch schwieriger, Kritiker in den eigenen Reihen zu ignorieren. „Für Peripherieländer dürfte es dann noch schwerer werden, zusätzliche Finanzhilfen von Deutschland zu erhalten“, heißt es in einer Studie der US-Bank. Unter diesen Umständen könnte der Euro bis zum Jahresende auf 1,26 Dollar fallen.

Kommentare zu " Bundestagswahl: Worauf sich Investoren einstellen"

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  • Liebe EmCeHemma,

    Das Volk, die Mehrheit das sind auch (Klein)-Aktionäre und Sparer, Menschen, die für ihr Alter verantwortungsvoll vorsorgen (und nicht die Verantwortung dafür auf dem Staat und einer Regierung übertragen) möchte einfach kein Geld verlieren!

    Rot - Grün oder Rot - Rot - Grün wird für unser aller Geldbeutel teuer

  • Ich lese hier immer nur, was für die Aktienmärkte, Banken und Wirtschaft das Beste wäre!
    Wer fragt eigentlich mal danach, was für den deutschen Bürger und die deutsche Gesellschaft das Beste wäre???
    Mein Demokratieverständnis ging bin bisher immer davon aus, das die Politik dem Volk zu dienen hat und nicht Banken, Finanzmärkten und Wirtschaftsunternehmen.
    Hallo gehts eigentich noch?
    Alle Macht geht in einer Demokratie immer noch vom Volkswillen aus, und nicht vom Wunschdenken obiger Protagonisten! Es ist erbärmlich und egoistisch, bei Wahlen nur an den eigenen Geldbeutel zu denken. Es geht bei einer Wahl doch um viel mehr als Geld!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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