Chance für die SPD?
Grass hofft auf Fahnenflüchtige bei der Linken

Die Linkspartei ist für den Schriftsteller und SPD-Anhänger Günter Grass nicht regierungsfähig. Dennoch wünscht er sich für Deutschland ein Linksbündnis – und hat auch eine Idee, wie das noch gelingen kann.
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BerlinGünter Grass weiß, dass zum Wahlkampf auch Lautstärke gehört. Und so schmeißt er sich am Montagmittag in Berlin für den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ins Zeug. „Er ist ein Opfer zielgerichteter Propaganda geworden, die sagt, Steinbrück sei ein Verlierertyp.“ Dabei erlebe er den Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel als das genaue Gegenteil: „Wir brauchen seine scharfen Analysen und nicht das Taktieren“, ruft Grass seinen Zuhörern zu. Und noch einige Dezibel lauter: „Wir brauchen einen Kanzler mit intellektuellen Qualitäten.“

Eigentlich geht es bei seinem Auftritt um August Bebel. Zum 100. Todestag des Parteigründers der SPD ist das Buch „Was würde Bebel dazu sagen?“ erschienen. Zur Präsentation erscheinen Günter Grass, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die beiden Herausgeber Wolfgang Thierse und Manfred Bissinger in der Berliner Kölsch-Kneipe Ständige Vertretung.

Das Buch hat noch eine Unterzeile: „Zur aktuellen Lage der Sozialdemokratie“. Und die zeichnet sich drei Wochen vor der Bundestagswahl insbesondere durch einen enormen Umfragerückstand auf die Union aus. Doch Grass will den Politikwechsel und er träumt von dem großen Linksbündnis. „Man versucht Steinbrück in eine große Koalition hineinzureden, doch der widersetzt sich zurecht“, sagt der Literaturnobelpreisträger. Eine große Koalition dürfe kein Dauerzustand werden. „Auch die CDU braucht gelegentlich die Chance, sich als Oppositionspartei zu erneuern.“

Der Haken: Steinbrück lehnt auch mit Vehemenz eine mögliche rot-rot-grüne Regierungskoalition ab. Kein Dilemma für Grass, der schon eine Idee hat, wie der Politikwechsel nach dem 22. September trotz der Vorfestlegung des SPD-Kanzlerkandidaten gelingen kann. „Es könnte doch sein, dass einige Bundestagsabgeordnete der Linkspartei aus den neuen Bundesländern die Faxen dicke haben und dazu beitragen, dass es zu einer linken Mehrheit in Deutschland kommt.“ Sprich: fahnenflüchtig werden.

Dass das sein Wunsch ist, daraus macht der Schriftsteller keinen Hehl, denn „wir leben in einer sozialdemokratischen Zeit“. Auch der große Hemmschuh Oskar Lafontaine, den er jüngst als „größten Verräter der SPD“ beschimpfte, ist auf der politischen Bühne nicht mehr präsent. Probleme bereiten Grass allerdings die „arrogante Haltung“ eines Gregor Gysi, die nicht zu einer Zusammenarbeit einlädt und das Problem, dass die SPD von vielen in der Linkspartei immer noch als Hauptgegner gesehen wird.

Aber auch inhaltlich fordert er von der Linkspartei mehr Pragmatismus. „Auch ich bin der Meinung, dass die Nato durch die USA fremdgesteuert wird, nur noch auf Auslandseinsätze ausgerichtet ist und daher reformiert werden muss“, sagt Grass. Nicht infrage käme allerdings die Forderung der Linken nach einem Nato-Austritt. „Daher ist die Linkspartei für eine gemeinsame Politik im Bund auch nicht geeignet.“

Kommentare zu " Chance für die SPD?: Grass hofft auf Fahnenflüchtige bei der Linken"

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  • Willi Kammerschott
    volle Zustimmung.
    Ob sie die SPD mit dem alten SS-Mann einen Gefallen tut, möchte ich bezweifeln
    Und ich frage mich auch, kann Grass nicht endlich sein Alter genießen und die Klappe halten?
    Als Autor war er auch nur Mittelmaß
    Diesr Mann wurde doch immer zu wichig genommen

  • Neuanfang
    Solche Preise bekommt doch heute jeder Dödel. Die sind doch nichts mehr wert

  • Man kann nicht immer Schiller und Goethe zitieren. Wir müssen unseren Kopf heute selber gebrauchen und anfangen zu Denken. Unsere eigenen Worte ertönen lassen. Nicht immer tote Dichter und Denker zitieren. Heute wird nur nichtssagendes dahergeredet und keiner liest wirklich zwischen den Zeilen.

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