Deutschlandtrend
Bei Schwarz-Gelb schwächelt nur einer

Die Union ist einer Umfrage nach zwei Monate vor der Bundestagswahl im Höhenflug. Die schwachen Umfragewerte der FDP gefährden aber eine schwarz-gelbe Koalition. Auch andere Konstellationen erweisen sich als schwierig.
  • 13

BerlinIm ARD-„Deutschlandtrend“ legte die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Sonntagsfrage um einen Punkt auf 42 Prozent zu. Die Sozialdemokraten verlieren einen Punkt und liegen nur noch bei 25 Prozent. Die Grünen gewannen in der Umfrage einen Punkt hinzu und kommen auf 14 Prozent. Die Linke liegt unverändert bei sieben. Die FDP kommt auf vier Prozent und würde damit an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Infratest dimap befragte am Dienstag und Mittwoch 1000 wahlberechtigte Bürger.

Klare Mehrheitsverhältnisse im Bundestag zeichnen sich damit nicht ab. Rot-Grün würde mit 39 Prozent hinter der Union bleiben, die aber wegen der Schwäche der FDP keine erneute schwarz-gelbe Koalition bilden könnte. Rein rechnerisch möglich wären eine große Koalition oder ein Bündnis aus CDU/CSU und Grünen. Die Alternative für Deutschland (AfD) büßte einen Punkt ein und kann derzeit ebenso wie die Piraten mit zwei Prozent der Stimmen rechnen.

Die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung und von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) leidet der Umfrage zufolge unter der Affäre um das massenhafte Ausspähen von Daten durch den US-Geheimdienst NSA. 70 Prozent der Befragten äußerten sich unzufrieden mit den bisherigen Aufklärungsbemühungen der Bundesregierung. Nur 24 Prozent beurteilten die Regierung in diesem Punkt positiv. 78 Prozent bewerteten die Aussage Merkels als „nicht glaubwürdig“, sie habe erst aus der Presse vom Ausmaß der Überwachung erfahren. Selbst 59 Prozent der Unionsanhänger nehmen der Kanzlerin der Umfrage zufolge diese Darstellung nicht ab.

Über die sinkende Wahlbeteiligung äußerste sich Bundespräsident Joachim Gauck besorgt. „Das bedauere ich sehr“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ vom Freitag. „Wer nicht wählt, verzichtet auf Partizipation, verzichtet auf die wichtigste Form, mitzubestimmen.“ Nichtwählen sei zwar erlaubt, aber kein Votum. Eine Wahlpflicht wie in anderen Ländern hält Gauck in Deutschland aber nicht für angeraten. Vielmehr sollten Politiker und aktive Wähler die Nichtwähler „durch Überzeugung für die Wahl gewinnen“.

Der Bundespräsident ermahnte in dem Zusammenhang die Parteien, für Klarheit und Verständlichkeit ihrer Positionen zu sorgen. „Parteien sollten deutlicher machen, wie ihre Konzepte voneinander abweichen“, sagte Gauck der Zeitung.

Gleichzeitig appellierte Gauck an die Bürger, von der Politik „nicht das große, einzig wahre, erlösende Programm“ zu erwarten. Das bedeute eben manchmal, „dass man nur das geringere Übel wählt“. Er selbst teile ein Verständnis von Politik nicht, wonach man deswegen nicht wähle, weil keine Partei ganz genau den eigenen Vorstellungen entspreche.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutschlandtrend: Bei Schwarz-Gelb schwächelt nur einer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @NeueZeit

    Trotz aller Zurrgurte die Deutschland angelegt wurden, versucht Angela Merkel sich Freiräume zu schaffen. Das ist doch kein Widerspruch. Im Gegensatz zu den Arabischen Völkern ist das Deutsche Volk schwerfällig und Obrigkeithörig. Noch weit bis in die 60ziger Jahre wurden Uniformierte Busfahrer hoch geachtet. Wir kämpfen gegen Serbien ,gegen Taliban in Afganistan und
    weltweit wo es brennt immer gegen das GG. Aber der zweite Weltkrieg ist fest verankert und Gutmenschen warfen den Großeltern vor: Warum habt ihr nichts unternommen.? Lächerlich,.wer unternimmt heute was?

  • @ Günther schemutat

    Merken sie nicht, dass ihre anfänglich gemachte Behauptung, "Angela Merkel ist weder Amerika noch Obama untertan." im krassen Gesetz steht zu dem gesamten unteren Rest ihres Kommentars, in de, sie die BRD als absolut abhängiger Staat der Siegermächte beschreiben?

  • Die Absicht dass man nur „dass man nur das geringere Übel wählt“, ist sicher der Hauptgrund für die guten Umfragewerte der Union.



    Denn die Rot-Grüne Opposition bietet im Grunde nichts außer einer noch eine (noch) deutschen- und europärerfeindliche Version der Merkel-Politik an -und die wirklichen Oppositionsparteien, werden in den Medien alternierend totgeschwiegen oder "Rechtsextremisten" diffamiert.

    (Ich persönlich kenne so einige CDU-Wähler, CDU-Basis-Mitglieder und selbst einige hochrangige CDU-Funktionäre - keiner von diesen ist mit der Merkel-CDU und ihrer Politik auch nur annähernd zufrieden.)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%