Erzbischof vs. Euro-Gegner
Kein Segen für die AfD

Ungewöhnlich deutlich hat sich Erzbischof Zollitsch in den Wahlkampf eingeschaltet. Den Euro-Kurs Merkels stützt er, ihre Kritiker von der AfD nennt er Nostalgiker. Die reagieren nun und gehen in die Offensive.
  • 212

BerlinWenn sich der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, zu Wort meldet, dann geht es meist um Themen von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Auch dass der Bischof in der Tagespolitik mitmischt, liegt in der Natur der Sache. Immerhin ist er der oberste Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. Ungewöhnlich ist allerdings, dass Zollitsch in diesen Tagen ziemlich deutlich in den Bundestagswahlkampf eingegriffen hat.

„Ich sehe keine Alternative zum Euro“, sagte der Erzbischof dem „Badischen Tagblatt“: „Denn der zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“ Man müsse „den Ländern, die Hilfe brauchen, wirklich helfen.“ Der Kirchenmann rät denn auch vor diesem Hintergrund, die euroskeptische Partei Alternative für Deutschland (AfD) nicht zu wählen. Auf die Frage, ob die AfD seinen bischöflichen Segen habe, antwortete Zollitsch: „Nein, unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.“

Die AfD reagierte umgehend auf die Volte. „Wir respektieren die theologische Kompetenz von Erzbischof Zollitsch, aber er sollte auch unsere Kompetenz in volks- und finanzwirtschaftlichen Fragen respektieren,“ sagte AfD-Chef Bernd Lucke. Er wandte sich insbesondere gegen die Aussage, die AfD sei einen Zusammenschluss von ein paar „Nostalgikern“, die zurück zu den Nationalstaaten wollten.

„Europa besteht aus Nationalstaaten“, betonte Lucke. „Es ist ein Konsens aller Parteien, dass dies auch so bleiben soll. Aber gerade weil wir ein zukunftsfähiges Europa anstreben, dürfen wir nicht auf Zuruf Schulden übernehmen und den eigenen Steuerzahlern auflasten.“ Vielmehr bräuchten wir Änderungen an der Währungsunion, da es insbesondere den südlichen Ländern an Wettbewerbsfähigkeit mangele.

In der Union stießen die deutlichen Worte des Erzbischofs auf Zuspruch. „Ich habe immer gesagt, dass der Euro mehr ist als eine Währung. Wenn andere gewichtige Gruppen in unserer Gesellschaft dies auch so sehen, freut mich das“, sagte der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Meister Handelsblatt Online.

Kommentare zu " Erzbischof vs. Euro-Gegner: Kein Segen für die AfD"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein absoluter Reißer war ja wohl die indirekte Wahlempfehlung von Bischof Zollitsch – so etwas hat selten eine Partei. Aber: Gott bewahre uns vor einem Politiker Zollitsch, obwohl der gut ins Schema der Blockparteien passt: Mittels Errichtung einer europäischen Diktatur die Völker Europas „zusammenschweißen“ zu wollen: Fast so schlimm wie die Dolchstoßlegende der Nazis. Auch manche Katholiken mögen angesichts solcher Äußerungen denken, daß es für die Entwicklung einer humanistischen Gesellschaft von Vorteil gewesen wäre, wenn die katholische Kirche in den letzten 2000 Jahren gefehlt hätte.
    Mit freundlichen Grüßen von der AfD
    Klaus Peter Kraa

  • "Da ist es schon mutig oder dummdreist..."
    "Dummdreist" trifft es wohl am ehesten, in der Anonymität des Netzes mit diesem hanebüchenen Unsinn inkl. Beleidigungen herumzuspammen.

  • Ich verstehe die Aufregung der Foristen nicht so ganz!
    Der Bischof hat wahrscheinlich einen Blick in die Depots der Bank für Kirche und Caritas getan, wohlmeinende Hinweise des IOR waren darüber hinaus bei der Meinungsbildung behilflich.
    Er wird wie alle anderen in dem elenden Drama um Griechenland versuchen zu retten, was seinem Verein gehört.
    Ärgerlich für viele, und daher mein Verständnis, ist dass man glaubt hier habe eine über den wirtschaftlichen Interessen stehende, der Moral besonders verpflichtete Person gesprochen. Vergesst das - wenn es um Geld und Macht geht unterscheiden sich die Würdenträger aller Couleur kaum von einander!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%