IW-Studie
Ökonomen zerreißen die Wahlprogramme

Die Opposition sagt offen, wie sie die Bürger schröpfen will. Die Regierungsparteien verschweigen schamhaft, welche Belastungen sie planen. In beiden Fällen aber, so urteilen Ökonomen, ist das Ergebnis ein Desaster.
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DüsseldorfDie Wahlprogramme sind geschrieben, nun wollen Merkel, Steinbrück, Trittin und Co. auf Bäderreise, Wanderung und Fahrradtour ihre schönsten Parolen den Bürgern präsentieren. Doch zuvor steht der Expertentest an. Und der fällt eindeutig aus, eindeutig negativ: Die Programme seien durch die Bank ein „Desaster“, ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Wenigstens aus „ökonomischer Sicht“, sagt IW-Chef Michael Hüther.

Wenn auch nicht ein Desaster, so doch auffällig, sei noch etwas anderes: Während die Opposition ganz offen in ihren Wahlprogrammen verkündet, wie sie die Steuerzahler schröpfen will, verschweigen die Regierungsparteien, welche Kosten sich in ihrem Wahlprogramm für die Bürger verstecken, zeigt die Studie des arbeitgebernahen Instituts.

„Da die Regierungsparteien eher vage bleiben, können sich die Wähler kaum ein richtiges Bild davon machen, welche finanziellen Belastungen tatsächlich auf sie zukommen“, sagt Hüther. Die Opposition zeige da wenigstens klare Kante. „Das ändert aber natürlich nichts an der negativen Folgewirkung dieser Programme.“

Keine guten Nachrichten für die Parteien mitten im Wahlkampf. Und keine guten Nachrichten für die Wähler.

Das Wahlprogramm der Union leide „über weite Strecken an wenig konkreten Vorschlägen“ und es dominiere „die Rückschau auf die „Errungenschaften“ der vergangenen Legislaturperiode“. Die FDP kommt auch nicht besser weg. Sie bleibe „manche Konkretisierung schuldig“. Es sei nicht weiter verwunderlich, „dass eine Regierungspartei nach einer vierjährigen Legislaturperiode nicht mit revolutionären Vorschlägen aufwartet“, urteilt das IW über die Union. Das gleiche gilt natürlich für die FDP.

Die Oppositionsparteien sind da zwar viel konkreter in ihren Vorschlägen, doch weil sie offen verkünden, wie sie die Steuerzahler künftig mehr belasten wollen, ist auch hier das IW-Urteil recht vernichtend. Und das Wahlprogramm der Linken lese sich wie ein „Utopie“.

Und so fällt die Bilanz des IW zu den Wahlprogrammen durchweg negativ aus: „Aus ökonomischer Perspektive sind die Wahlprogramme mal ein mehr, mal ein weniger großes Desaster: Die einen verschenken Arbeitsplätze, die anderen gefährden Arbeitsplätze“, sagt Hüther.

Ein Desaster also. Wie aber genau sieht das aus? Und wo werden Arbeitsplätze verschenkt? Handelsblatt Online hat zusammengetragen, wie das IW die Programme der Parteien bewertet. Doch klar ist: Der Vergleich der komplexen Wahlprogramme ist schwierig. Denn bei der Bewertung handelt es sich um Prognosen und voraussichtliche Berechnungen. Auch die unvollständigen Angaben der Parteien machen einen Vergleich und eine Brechung noch schwieriger und unsicherer. Wie sich Investitionen in Bildung und Gesundheit lässt sich hingegen nicht konkret beziffern.

Kommentare zu " IW-Studie: Ökonomen zerreißen die Wahlprogramme"

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  • Manfred Julius Müller für eine Lohnkostenreform nach dänischem Vorbild, Umfinanzierung des Sozialstaates über die Mehrwertsteuer, so Senkung der Lohnnebenkosten und Sozialabgaben möglich, und auch eine protektionistische Wirkung wie eine Zollgrenze ohne deren Nachteile, direkte und dezentrale Demokratie mit Plebisziten und Volksabstimmungen!

    http://www.neo-liberalismus.de

    http://www.anti-globalisierung.de

    Gegen die deflatorische Austeritätspolitik bzw. Sparpolitik a la Brüning

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/rogoff-reinhart-sparpolitik-kritik

    Hinweise...

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1307

    So viel zum Thema Exportweltmeister...

    Harvard-Ökonomen geben Fehler bei folgenreicher Staatsschulden-Studie zu

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/154129

    Austerität bringt Menschen um: Neue Studie vergleicht 30er Jahre und heute


    http://www.bueso.de/node/6432

    Leiharbeit wird zum Lohndumping

    http://www.raum-und-zeit.com/r-z-online/mediathek/gesellschaft/amazon-leiharbeit/leiharbeit-wird-zum-lohndumping.html

    Europa wird zum Armenhaus

    http://www.bueso.de/node/5425

    Die FDP hinterlässt einen politisch nicht mehr vertretenen Mittelstand
    von Prof. Dr. Eberhard Hamer

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=643

    «Es droht eine teuflische Abwärtsspirale»

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=726

    Kritik an der AFD

    http://www.bueso.de/node/6441

    Negative Beschäftigungseffekte zur 1 Euro Jobs

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36016/1.html


    Contra Freihandel

    http://www.heise.de/tp/artikel/19/19828/1.html

    Mogelpackung Rente

    http://www.rf-news.de/2012/kw36/sozialministerin-muss-drohende-massenverarmung-von-rentnern-zugeben

    Handwerk: Ein-Euro-Jobs müssen weg

    http://wirtschaft.t-online.de/handwerk-ein-euro-jobs-muessen-weg/id_43901320/index

  • +++ Kommentar von der Redaktion gelöscht. Das Forum ist keine Werbefläche für externe Links. Bitte kommentieren Sie zum Thema +++

  • "Ökonomen zerreißen die........ "

    Welche "Ökonomen" ???

    Liebe HB, buddelt doch mal heraus, was diese "Ökonomen" vor Jahren berichtet haben !

    Links,rechts, Mitte, oben oder unten spielt überhaupt keine Rolle, ist nur ALIBI-Politik.

    Wenn in einem BIOTOP, wie in unserem Land, an den Stellschrauben rum gepfuscht wurde/wird, seit ROT/GRÜN,entstehen mit der Zeit gefährliche Entwicklungen !

    Eine Schlagseite in der Politik, egal in welcher Richtung ist auf Dauer schädlich. Es gibt genügend Beispiele in der Geschichtsliteratur !

    Irgendwann nach mehreren Dekaden, nach einem Krieg oder Finanzkrise, werden wieder negative Einstellungen im Biotop vorgenommen. Durch Unfähigkeit,Lobbyismus,eigene private Vorteilnahme, abnickende Volksvertreter, Verlotterung... !

    Und, wir Bürger/Wähler haben diese Entwicklung(en) wiedermal zugelassen !

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