Rot-Grüne Entfremdung
„Macht bei der Selbstfindung weiter“

Im Wahlkampf hatten sich SPD und Grüne noch lieb. Doch jetzt kracht es zwischen den einstigen Wunschpartnern gewaltig. Der Zorn entlädt sich im Netz. Doch es gibt nicht nur virtuelle Kämpfe.
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BerlinIm Bundestagswahlkampf schmiedeten sie noch Pläne für ihre gemeinsame politische Zukunft. SPD und Grüne wollten das Land verändern. In ihrem Sinne. Alle Register wurden gezogen. SPD-Chef Sigmar Gabriel trat sogar auf dem Grünen-Wahlparteitag auf, um den rot-grünen Wechsel als Richtungsentscheidung zu beschwören.

Und es entstanden Bilder, die man so noch nicht gesehen hatte. Da saß Gabriel in der ersten Reihe zwischen den zwei grünen Spitzenkandidaten, im Geplauder mit Jürgen Trittin, von Ex-Umweltminister zu Ex-Umweltminister. Katrin Göring-Eckardt schaltete sich von ihrem Platz rechts mit ein. Ausgelassen feixten die drei. Das war im April dieses Jahres. Nun, nachdem die Wahl verloren wurde und die SPD dabei ist, sich in eine Große Koalition hineinzubewegen, ist der Schulterschluss von einst Geschichte.

Nun zoffen sich Rote und Grüne heftig per Twitter, doch auch schon zuvor zeigte sich: SPD und Grüne haben sich nur noch wenig zu sagen. Schon das erste Aufeinandertreffen im neuen Bundestag geriet zum heftigen Schlagabtausch, weil die Sozialdemokraten mit Hilfe der Union für sich einen zusätzlichen Bundestagvizepräsidenten durchsetzten. „Der Schalter ist aber schnell umgelegt“, giftete die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann, in Richtung Thomas Oppermann. Der hatte den Anspruch seiner Fraktion auf den Posten allen Ernstes mit dem Wahlergebnis begründet und den kritischen Grünen entgegen gehalten, dass die 25,7 Prozent für die SPD eben deutlich mehr seien als die 8,4 Prozent für die Grünen. Daher stünde den Grünen eigentlich nicht etwa ein Vizepräsidentposten zu, sondern „null“.

Dass die Grünen den Ärger über Oppermanns Stichelei nicht so schnell vergessen würden, war zu erwarten, zumal – so die Denke bei den Grünen - die SPD in den Verhandlungen mit der Union weitere einstige rot-grüne Gemeinsamkeiten über Bord werfen würde. Gelegen kommt den Grünen dabei, dass Inhalte von Koalitionsgesprächen selten große Geheimnisse bleiben, sondern über gut informierte Kreise an die Öffentlichkeit durchsickern und dann den Wahlverlierern als herrliche Steilvorlagen dienen.

Fast alles, was Medien auf diese Weise kolportieren, lässt sich nach Herzenslust zerreißen. So etwa ein Bericht der „Welt am Sonntag“. Demnach fordert die SPD sieben bis acht Ministerien mit der Begründung, dass die FDP 2009 mit einem schwächeren Ergebnis fünf Ministerien bekommen habe. Dies würde zu einer Vergrößerung des Kabinetts führen.

Die SPD-Spitze hat das zwar schon längst dementiert. Aber einmal in der Welt, halten sich solche Meldungen hartnäckig. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt twitterte daraufhin über Gerüchte, „das #GroKo (Hashtag für Große Koalition; d. Red.) das Kabinett vergrößern will“. Sie nahm dabei Bezug auf den Extraposten für die SPD im Bundestagspräsidium und schrieb weiter: „Erst BT-Präsidium, dann Kabinett, was kommt noch?...mehr KanzlerInnen?“

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  • Die grünen Deutschlandhasser, Stromspinner, Dosenpfanderfinder, Kosten- und Steuererhöher, EEG-Abzocker, Bevormunder und Verbotswahnsinnigen braucht unser Land nicht mehr. Sie sind eine aussterbende Rasse der Vergangenheit.

  • "So die Denke bei den Grünen" - Meine "Denke" ist, dass durch solches "Dschurnalisten"-Gequatsche der letzte Rest an gepflegtem Deutsch verloren geht, immer nach dem Motto: Hauptsache so gequatscht wie der große Haufen. Qualitätsjournalismus?

  • Aus der Atomkraft aussteigen, ,keine effizenten Kohlekraftwerke und am besten keine Industrie- ausser Windmühlenfabriken, das beschreibt die Ideologie der grünen Gutmenschen.Man sollte Trittin und Konsorten an den Rotorenblaetter ihrer Windmühlen haengen.Liebe SPD-bleibt bitte Standhaft, und lasst euch von einer Partei die 92% der Deutschen nicht gewaehlt haben nicht bevormunden.

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