SPD arbeitet Wahldebakel auf
Alle wollen schuld sein

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück war der erste, der auf dem SPD-Parteitag die Verantwortung für das schlechte Bundestags-Wahlergebnis übernahm. Dann zog Parteichef Sigmar Gabriel nach. Die SPD will er weiter anführen.
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LeipzigDer frühere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat auf dem Bundesparteitag in Leipzig die Verantwortung für das schlechte Bundestags-Wahlergebnis von 25,7 Prozent übernommen. Parteichef Sigmar Gabriel zollte der Kanzlerkandidat Respekt. Er habe die SPD in der schwierigen Zeit nach dem enttäuschenden Wahlergebnis vom 22. September „glänzend geführt“.

Die Antwort folgte prompt. Sie hätten den Wahlkampf als Freunde begonnen, sagte Gabriel an Steinbrück gewandt. „Und wir haben diesen Wahlkampf als Freunde beendet. Du bist einfach ein feiner Kerl.“ Steinbrück habe wie kein anderer zuvor in diesem Wahlkampf mit „persönlichen Anfeindungen“ zu kämpfen gehabt.

Der Weg zur Mehrheitsfähigkeit im Bund sei offenbar weiter als gedacht. Trotz eines Zugewinns von 2,7 Prozentpunkten oder 1,25 Millionen Wählerstimmen am 22. September habe die SPD das zweitschlechteste Wahlergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren. Dafür trage er als Vorsitzender die Hauptverantwortung, so Gabriel.

„Ich gehöre nicht zu denen, die sich für gewonnene Landtagswahlen mit feiern lassen, bei verlorenen Wahlen aber nichts damit zu tun haben wollen“, sagte Gabriel am Donnerstag in seiner Rede beim Bundesparteitag in Leipzig. „Es gibt nichts zu beschönigen.“ Der Parteitag müsse nun entscheiden, ob er Vorsitzender bleiben solle.

Steinbrück forderte seine Partei auf, die Koalitionsverhandlungen mit der Union mit Selbstbewusstsein zum Erfolg zu führen. „Das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss. Aber nicht die Einigung um jeden Preis“, sagte Steinbrück in Leipzig. „Wir haben die Wahlen verloren, aber nicht unseren Verstand.“

„Wenn wir in eine Große Koalition gehen, dann nicht, weil wir damit zufrieden sind, im Mannschaftsbus einer Regierung mitfahren zu dürfen. Sondern, weil die SPD immer einen Gestaltungswillen hat, nämlich die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern.“ Wenn es für ein Bündnis mit der Union gute Chancen auf der Grundlage eines substanziellen Koalitionsvertrags gebe, „dann sollten wir Verantwortung übernehmen. Wir haben uns nie als bloße Verhinderungsmacht verstanden.“ Die Delegierten würdigten Steinbrück stehend mit langem Applaus.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " SPD arbeitet Wahldebakel auf: Alle wollen schuld sein"

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  • Möglicherweise haben die Herrschaften eine andere Definition von Schuld. Es liegt nun an der Basis den Schuldigen beizubringen, was die Gesellschaft unter Schuld versteht.

  • DIE SPD
    DIE EWIGE WAHLVERLIERERIN
    .........................
    grosse koalition oder linksbündnis -
    die SPD wird ihre seele verlieren..!!
    .....................................

  • Niemand hat Schuld.

    Und weil es so fein klingt unschuldig zu sein machen wir alle einfach noch mehr Schulden.

    Sowas passiert, sowas kann geschehen, sowas ist.

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