Bundestagswahl
Warum ein SPD-Kandidat zur Hassfigur wurde

In Hamburg kämpft der SPD-Bundestagskandidat Danial Ilkhanipour um jede Stimme. Doch selbst in seiner eigenen Partei ist seine Kandidatur umstritten, weil er die Kandidatur dem bekannten Parteilinken Niels Annen abgejagt hatte. Mit nicht ganz üblichen Methoden.

HB HAMBURG. Wie ein Königsmörder sieht Danial Ilkhanipour nicht gerade aus. Der SPD-Bundestagskandidat steht in einer Hamburger Fußgängerzone, 27 Jahre alt, gestreiftes Hemd, gegelte Haare. Er verteilt Handzettel, lächelt viel, versucht, Bürger von seiner Politik zu überzeugen. Doch für viele Sozialdemokraten in Deutschland ist er eine Hassfigur. Denn vor wenigen Monaten hat er trickreich dem etablierten SPD-Abgeordneten Niels Annen in einer Kampfabstimmung die Kandidatur in Hamburg-Eimsbüttel abgejagt.

Das Trauma für viele Genossen in der Hansestadt nahm am 15. November 2008 seinen Anfang. Die Parteimitglieder im Wahlkreis Eimsbüttel entschieden an diesem Tag über ihren Kandidaten für den Bundestagswahlkampf. Seit 2005 saß für die SPD der Parteilinke Annen im Bundestag. Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre dies auch so geblieben, denn der Wahlkreis 21 gilt als sicher in roter Hand, 2005 waren auch die anderen fünf der Stadt alle an die SPD gegangen.

Doch völlig unerwartet hatte Ilkhanipour nur wenige Tage vor der Entscheidung seiner Partei eine Kandidatur angemeldet. Eine Mehrheit für sich hatte er da schon organisiert. Annen blieb kaum Zeit zu reagieren, er verlor die Kampfabstimmung knapp.

Parteigenossen warfen Ilkhanipour daraufhin ungeheuerliche Methoden vor, auch Parteichef Franz Müntefering kritisierte sein Vorgehen. Mit Annen verlor der linke Flügel der Bundespartei einen wichtigen Vertreter, der vor allem Rückhalt hatte bei Partei-Vizechefin Andrea Nahles.

Auch das links-intellektuelle Milieu im Hamburger Innenstadtbereich ist weiterhin sehr verärgert. Die empfahl kürzlich sogar, den CDU-Kandidaten zu wählen. Gegen Carola Ensseln läuft nun ein Ausschlussverfahren in der Partei. Sie sagt, dass ihre Worte eher als "eine provokant, sarkastische Aussage" gemeint gewesen seien.

Doch nicht alle in der SPD stellen sich gegen Ilkhanipour. Johannes Kahrs, der Direktmandat für den Wahlkreis Hamburg-Mitte und Sprecher des rechten Seeheimer Kreises, gehört zu den Förderern des jungen Kandidaten. Dieser hat als Student in Kahrs Abgeordneten-Büro gearbeitet. Erst vor wenigen Monaten hat Ilkhanipour sein Jurastudium mit Bachelor-Abschluss beendet.

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