Bundeswehreinsatz
Justiz prüft Todesschuss in Afghanistan

Der Zwischenfall ist bezeichnend für die wachsende Nervosität im Norden Afghanistans: Nach dem Tod eines afghanischen Jugendlichen durch Bundeswehrkugeln ist die Staatsanwaltschaft Potsdam eingeschaltet worden. Sie soll prüfen, ob sich die Bundeswehrsoldaten richtig oder fahrlässig gehandelt haben.

BERLIN. Am Sonntag feuerten die Soldaten auf einen Wagen, der sich einer deutschen Stellung in der Nähe der nordafghanischen Provinzhauptstadt Kundus näherte.

Bereits im August 2008 hatte ein Bundeswehrsoldat Zivilisten in einem Fahrzeug erschossen, weil er einen Anschlag befürchtete. Damals waren eine Frau und zwei Kinder ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte auch diesen Fall geprüft, im Mai jedoch entschieden, kein Verfahren einzuleiten.

Laut Verteidigungsministerium hatte sich das Fahrzeug mit fünf Insassen am Sonntag dem deutschen Stützpunkt „mit hoher Geschwindigkeit“ genähert und auch nach Warnschüssen nicht angehalten. Als die Bundeswehrsoldaten das Feuer auf den Wagen eröffneten, wurde ein Jugendlicher getötet, zwei wurden schwer verletzt. Ein Insasse blieb unverletzt, ein weiterer flüchtete. Anfängliche Angaben über drei Tote wurden von den afghanische Behörden korrigiert. Nach Angaben des Verteidigungsministerium in Berlin hätten die Soldaten auch bei dem jüngsten Zwischenfall davon ausgehen müssen, dass sie angegriffen werden sollten.

Der Zwischenfall ist bezeichnend für die wachsende Nervosität im Norden Afghanistans, für dessen Sicherheit die Bundeswehr die Verantwortung trägt. Vor dem Zwischenfall hatte es am Sonntag zwei Angriffe der radikal-islamischen Taliban auf das Hochplateau vor Kundus gegeben, auf dem neben dem lokalen Flughafen auch ein Stützpunkt der Bundeswehr, einer der afghanischen Armee und eine Ausbildungseinrichtung der Amerikaner liegen. Seit Wochen haben die Taliban die Drohungen gegen die Bundeswehr verschärft, die ihrerseits härter gegen die Aufständischen vorgeht und deshalb auch den Kontrollposten eingerichtet hatte. Im Südosten des Landes haben die US-Truppen zudem eine große Offensive gegen die Taliban gestartet.

Sicherheitsexperten erwarten deshalb, dass die radikalen Islamisten ihre Aktivitäten in den relativ ruhigen Norden und Westen des Landes ausdehnen wollen. So starben im Westen Afghanistans elf Menschen bei einem Anschlag auf einen Minibus. In der südlichen Unruheprovinz Helmand kam unterdessen nach Angaben verschiedener Nachrichtenagenturen ein britischer Soldat bei einem Bombenanschlag ums Leben. Der Soldat soll sich auf einer Patrouille gefunden haben, als ein Sprengsatz explodierte. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im Jahr 2001 kamen insgesamt 186 britische Soldaten ums Leben.

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