Carsten Maschmeyer
„Vor Steuern sind das eben zwei Millionen“

Carsten Maschmeyer soll doch zwei Millionen Euro an Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gezahlt haben – für die Rechte an der Autobiografie. Der Deal basierte zunächst nur einer Handschlag-Vereinbarung.
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Berlin /MünchenDer Unternehmer Carsten Maschmeyer soll dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem Bericht des Magazins „Stern“ rund zwei Millionen Euro für die Rechte an der Autobiografie gezahlt haben. Bisher war von einer Million Euro die Rede. Maschmeyer selbst hatte zu einem früheren Bericht über den Betrag von einer Million erklärt, 2006 von Schröder die Rechte für dessen Memoiren erworben und gewinnbringend vermarktet zu haben. „Es handelt sich um einen normalen Kauf und Verkauf und keine Gefälligkeit, denn die Gesamtsumme der Erlöse übertraf deutlich den Pauschalpreis beim Ankauf“, so Maschmeyer 2011.

Das Honorar soll nach „Stern“-Angaben erst nachträglich schriftlich geregelt worden sein. Bei dem Deal zu Schröders Biografie habe es sich zunächst um eine Handschlag-Vereinbarung gehandelt, die das zuständige Finanzamt Hannover nicht akzeptiert habe, sagte der „Stern“-Reporter Oliver Schröm am Donnerstag bei einer Buch-Vorstellung in Berlin.

Daraufhin habe Maschmeyer, der die Rechte an der Autobiografie Schröders gekauft hatte, einen Vertrag aufgesetzt, in dem das Honorar exakt aufgeführt worden sei. In dem Schriftstück, das dem Hamburger Magazin zugespielt wurde, heißt es: „Für die vorstehend beschriebene Nutzungsüberlassung hat Herr Maschmeyer an Herrn Schröder einen Vorschuss in Höhe von EUR 2.016.380,37 (inkl. USt) gezahlt.“ Das sei ein „absurd hohes Honorar“ gewesen, meinte Schröm angesichts späterer Verkaufszahlen. Eine „Gewinnerzielungsabsicht“ bei Maschmeyer könne er nicht erkennen.

Das Magazin beruft sich auf Tausende vertrauliche Dokumente, die belegen würden, wie nah sich Schröder und der damalige Chef des Finanzdienstleisters AWD schon zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung gekommen seien. So habe sich Maschmeyer auch für eine Reform der Riester-Rente eingesetzt – er habe auf eine „Ölquelle“ gehofft, die sprudeln könnte. Der SPD-Politiker Schröder (70) war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler.

Mit Schröder habe die Vereinbarung bestanden, dass er nach Steuern eine Millionen Euro erhält. Vor Steuern seien das eben zwei Millionen, erklärte eine Sprecherin Maschmeyers, der selbst gerade in den Flitterwochen mit Veronika Ferres weilt. Die Konstruktion der Riester-Rente hat das angeblich nicht beeinflusst. Die Rente war deutlich vor Erscheinen des Buches eingeführt worden. Allerdings wurde sie seit ihrem Bestehen mehrmals reformiert mit dem Ziel, sie für alle Beteiligten – also für Kunden genauso wie für die Versicherungsvertreter der ehemaligen Maschmeyer-Firma AWD – einfacher zu machen.

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte das Büro Schröders schriftlich mit: „Zu diesem Bericht gibt es keine Stellungnahme von Herrn Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder.“ An diesem Donnerstag wird zu diesem Thema in Berlin ein Buch vorgestellt mit dem Titel „Geld Macht Politik: Das Beziehungskonto von Carsten Maschmeyer, Gerhard Schröder und Christian Wulff“.

Oliver Stock
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Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Schröder und Maschmeyer - Ein Herz und eine Seele
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    Carsten Maschmeyer soll Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder rund zwei Millionen Euro für die Rechte an dessen Autobiografie gezahlt haben. Wie nah standen sich der Politiker und der AWD-Manager? Und gab es einen Zusammenhang zur Reform der Riester-Rente während Schröders Amtszeit?

    Zwei „Stern“-Journalisten haben nachrecherchiert, das Ergebnis ist seit Donnerstag in einem Buch („Geld – Macht – Politik: Das Beziehungskonto von Carsten Maschmeyer, Gerhard Schröder und Christian Wulff“) nachzulesen: Danach hat Maschmeyer nicht nur eine, sondern sogar zwei Millionen Euro auf den Tisch gelegt – und vereinbart war der Deal schon vor dem Wahltag, der den SPD-Kanzler Gerhard Schröder das Amt kostete. Das wirft eine heikle Frage auf: Steht hinter der Abmachung mehr als nur ein Buchgeschäft, das sich kaum rechnen konnte? Womöglich sogar eine Neuauflage jener „politischen Landschaftspflege“, die seit der Flick-Affäre in den 80er Jahren für Gefälligkeiten steht, mit denen sich Firmen Politiker gewogen machen?

  • Danke, ein sehr treffender Vergleich!!!!!! Maschmeyer's abenteuerliche Erklärungsversuche erinnern sehr stark an die Ausreden von Schwarzgeld-Betrügern: Jedes Mal wenn ein neues Detail rauskommt, wird eine neue Räuberpistole nachgeschoben. Normalerweise läuft die Bezahlung für solche "Dienste" ja über die berühmten "Gutachten", die man dann bei demjenigen für ein paar Millionen in Auftrag gibt, dem man noch eine Gegenleistung schuldet. Bei Hr. Schröder ging das wohl nicht - als amtierender Bundeskanzler konnte er wohl kaum eine Rechnung für ein Gutachten an Maschmeyer oder seine AWD schicken :-).

  • Genau, die staatliche Rente sollte in private Taschen umgeleitet werden.

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