CDU-Spitzenkandidat
Friedbert Pflüger – auf schwieriger Mission

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium und niedersächsische CDU-Politiker Friedbert Pflüger soll in Berlin den Durchbruch schaffen. Dafür opfert er seine bundespolitische Karriere.

Erst vier Wochen vor der Wahl entschloss sich Friedbert Pflüger, auch im Fall einer Niederlage in der Berliner Landespolitik zu bleiben und seine bundespolitische Karriere vorerst aufzugeben. Bis dahin hatte er das strikt abgelehnt, was ihn einige Sympathien kostete. In den vergangenen Wochen habe er gespürt, dass die Aufgabe in Berlin "den ganzen Mann" erfordere, sagte Pflüger. Seine Entscheidung habe er ohne Druck von Seiten der Bundes- oder der Landespartei getroffen.

Der 51-Jährige möchte nach dem Modell seines Vorbilds, Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU), agieren. Wie dieser 1983, will der promovierte Wirtschafts- und Politikwissenschaftler die Berliner SPD von der Regierung ablösen.

Als Sprecher des damaligen Regierenden Bürgermeisters stieg Pflüger 1983 in die Politik ein. Seit 1990 sitzt der gebürtige Hannoveraner im Bundestag, 2005 wurde er Verteidigungs-Staatssekretär. In der Union gilt er als liberal und zeitweise als unbequem. Er kritisierte unter anderem das Verhalten der CDU während der Spendenaffäre.

Pflüger ist bekannt für seinen Fleiß und seine Zielstrebigkeit. Während des Geschachers um die Posten im Kabinett der großen Koalition setzte er alles daran, Verteidigungsminister zu werden. Obwohl kaum jemand die fachliche Qualifikation des langjährigen außenpolitischen Sprechers der Unions-Fraktion bezweifelte, ging Pflüger leer aus - seine Ambitionen fielen dem innerparteilichen Proporzzwängen zum Opfer. Die angehende Bundeskanzlerin Angela Merkel bestand darauf, die Niedersächsin Ursula von der Leyen als Familienministerin zu berufen. Da war für Pflüger kein Platz mehr am Kabinettstisch.

Pflügers Mission als CDU-Kandidat in Berlin ist äußerst schwierig. Die Partei dümpelt momentan in Umfragen bei unter 20 Prozent. Der volksnahe Amtsinhaber Wowereit ist beliebt, seine Koalition aus SPD und Linkspartei kann einige Erfolge vorweisen. "Dass es kein Spaziergang wird, ist mir klar", sagt Pflüger.

Von seinem Lehrmeister Richard von Weizsäcker konnte Friedbert Pflüger lernen, dass Politik immer an die Menschen denken muss. Das aber haben zuletzt immer weniger Berliner von der CDU erwartet. Pflüger, trotz vieler Jahre als Bundestagsabgeordneter weithin unbekannt, muss noch Statur gewinnen. Die zweithöchste Arbeitslosigkeit aller Bundesländer und das geringste Wirtschaftswachstum - dieses Thema bedrückt die Berliner. Hier hat Rot-Rot wenig bewegt. Die Hauptstadt braucht dazu einen bundesweit vernetzten Politiker, der die Belange Berlins voranbringt.

Pflüger präsentierte in seinem Schattenkabinett zwölf mögliche Senatsmitglieder, obwohl der Senat nach der Berliner Verfassung nur aus acht Senatoren und dem Regierenden Bürgermeister bestehen darf. Außerdem stellte der CDU-Kandidat noch einen Integrations- und einen Seniorenbeauftragten vor. Insgesamt greift Pflüger vor allem auf Berliner Landespolitiker zurück. Senator für Arbeit und Soziales soll zum Beispiel der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%