CSU
Seehofers Privatleben: Kartell des Schweigens

Ein Artikel im Boulevardblatt "Bunte" über das Privatleben von Horst Seehofer bringt die CSU in Bedrängnis. Trotz mangelnder Belege für allerlei Behauptungen treffen die vermeintlichen Enthüllungen die Partei zu einem empfindlichen Zeitpunkt.

BERLIN. "Privatsache", "Das spielt in Bayern keine Rolle", "Sie sind der erste, der dazu etwas wissen will." Wer sich in der CSU auf die Suche nach Einschätzungen zur Berichterstattung über das Privatleben Horst Seehofers macht, trifft auf eine verschwiegene Gemeinschaft. Die sonst plauderfreudigen Christsozialen scheinen in ein Kartell des Schweigens verwandelt. Als spielte es keine Rolle, dass das Boulevardblatt Bunte auf zwei Seiten munter darüber spekuliert, dass der bayerische Ministerpräsident sein Verhältnis mit der Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten wieder aufgenommen hat, als könne man ihn ignorieren, diesen Bericht, wonach sich Seehofer weiter regelmäßig mit seiner ehemaligen Geliebten trifft.

Doch für eine Geschichte, die niemanden aufregt, ist die Nervosität in München erheblich. Das Gerücht, wonach die zarten Bande des Parteichefs mit seiner ehemaligen Geliebten nicht dauerhaft zerschnitten sind, ist nicht neu, bereitet der CSU nach der Veröffentlichung aber neue Probleme. Schon auf dem Europa-Parteitag in Deggendorf Anfang Mai musste sich Seehofer lästiger Nachfragen nach einer erneuten Schwangerschaft seiner Ex erwehren. Absurd, hieß es damals, alles Unsinn, heißt es heute.

Und tatsächlich: Mehr als die Geschichte eines Vaters, der sich um sein Kind kümmert, belegt auch die Story in der Bunten nicht. Fotos zeigen die Bundestagsmitarbeiterin mit der gemeinsamen Tochter am Eingang zu Seehofers Appartement in Berlin. Ungenannte Nachbarn steckten Hinweise, Seehofers Ex bleibe ab und an über Nacht. Belege: Fehlanzeige.

Trotzdem treffen die vermeintlichen Enthüllungen die CSU zu einem empfindlichen Zeitpunkt. Bei den Europawahlen hat die Partei soeben gezeigt, dass sie wieder siegen kann, wenn auch bescheidener als früher. Das war vor allem Seehofers Verdienst. Unklar ist, wie die Bayern einen weiteren Seitensprung ihres Landesvaters goutieren würden. "Die Familie Seehofer bleibt zusammen", hatte er entschieden, Monate nachdem seine Affäre Anfang 2007 bekannt geworden war. Damit schien die Sache erledigt. Auch der politische Gegner, sonst stets dabei, Seehofer Wankelmütigkeit vorzuwerfen, hielt sich mit Kommentaren zum Hin und Her im Privaten bislang zurück.

Doch wer braucht schon Gegner in anderen Parteien, wenn er Chef der CSU ist? Interessant daher, wer die üble Nachrede streut. Denkbar scheint, dass die Riege der über 60-Jährigen ihre Finger im Spiel hat, diese "lost generation" der CSU, die Seehofer mit Amtsantritt allesamt in die Rente schickte: Beckstein, Huber, Glück, Goppel und andere. Dafür spricht auch, dass die Jüngeren derzeit nicht profitieren, würde Seehofer beschädigt, oder ihre Karriere nicht auf diese Art befördern würden. Für Umweltminister Markus Söder käme die Nachfolge zu früh und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird an dem Job in München ohnehin kaum Interesse nachgesagt.

Seehofer jedenfalls schweigt wie alle, lehnte am Donnerstag alle Anfragen ab, wie damals, im Januar 2007, als bekannt wurde, dass seine Geliebte ein Baby von ihm erwarte. "Ich bin der Auffassung, dass es richtig ist, wenn ein Vater sich um seine Kinder kümmert", sagt statt seiner Bayerns Europaministerin Emilia Müller (CSU). Für heute hat Seehofer in die Berliner Vertretung des Freistaats geladen. Gregor Maria Hanke, sein Heimatbischof aus Eichstätt, spricht über christliches Wirtschaften. In dessen Kloster, das ist bekannt, zieht sich Seehofer in turbulenten Zeiten gern zurück.

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