Dalai Lama
Burgfriede bis zum nächsten Besuch

Beten und Demonstrieren am Brandenburger Tor: Der Dalai Lama entfacht zum Abschluss seiner Deutschland-Visite in Berlin noch einmal die innenpolitische Debatte – vor allem in der SPD. Und schon bald kommt der Mönch wieder nach Deutschland.

BERLIN. Der Himmel über dem Brandenburger Tor ist für wenige Minuten nicht nur blau, sondern auch rot und gelb. Gepunktet. Tausende Luftballons in den Farben der tibetischen Flagge haben die Menschen in die Luft fliegen lassen. Bis kurz nach 17 Uhr müssen seine Anhänger warten, dann tritt der Dalai Lama auf die provisorische Bühne und badet im Applaus der 20 000 Menschen. Der Dalai Lama ist nur offiziell als Religionsführer der Tibeter zum 33. Mal nach Deutschland gekommen. Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den buddhistischen Mönch tourt er vielmehr mit dem Image eines Polit-Künstlers für Gewaltlosigkeit über den Globus – und gerade durch Deutschland.

Wer behauptet hatte, dass dieser Besuch kein politischer sei, der wusste es am Montagabend besser. Denn die Kulisse des Brandenburger Tores für die Tibet-Solidaritätskundgebung ist nicht zufällig gewählt. Hier hatte 1987 Ronald Reagan Richtung Moskau gerufen: „Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.“ Hier sollte nach den Unruhen vom März medienwirksam die Botschaft ausgehen, dass die Chinesen die jahrzehntelange Unterdrückung in Tibet stoppen sollten.

Denn längst gilt Berlin wegen seiner Geschichte international als Symbol für Frieden und Freiheit, das Brandenburger Tor ebenfalls. Das wissen die vielen internationalen und deutschen Berater des Dalai Lama. Nur im Dialog ließen sich Konflikte wie in Tibet lösen, nicht mit Gewalt, spricht der Dalai Lama in die Menge. Auch die einst an dieser Stelle verlaufende Berliner Mauer sei durch friedlichen Protest gefallen. Und damit auch jeder die gewünschte Botschaft versteht, haben die Organisatoren über die Bühne ein Plakat gehängt: „Freiheit. Deutschland für Tibet. Tibet für die Welt.“

Deshalb fühlen sich am Ende alle bestätigt. Mit dem Gefühl, sich für eine gute Sache zu engagieren, die 6 000 Tibet-Unterstützer beim Solidaritätskonzert. Die TV-Zuschauer, weil der Dalai Lama zunächst für die chinesischen Erdbebenopfer betet und weltweite Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit fordert. Die Chinesen, weil sie ihre Zweifel bestätigt sehen, dass es den Tibetern nur um Autonomie innerhalb Chinas geht. Zwar betont der Dalai Lama auch diesmal: „Wir wollen keine Abspaltung.“ Es gehe um Autonomie für ihren buddhistischen Glauben, ihre Sprache und Kultur, beteuerte der Friedensnobelpreisträger. Er sei kein Separatist, wie China es immer wieder behauptet. Aber jeder sieht und hört, was ins eigene Denken passt: Die chinesischen Beobachter sehen das Plakat und hören die tibetische „Nationalhymne“ am Ende.

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