Datenschutzbeauftragte
Schaar – Unbeliebt und doch gefragt

Datenskandale, Anti-Terrorgesetze, Internetzensur - der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, ist derzeit ein gefragter Mann. Der 54-Jährige hat schon mit etlichen Innenministern um neue Regeln gestritten und hat sich daran gewöhnt unbeliebt zu sein.

Otto Schily (SPD) verachtete Datenschützer, sein Nachfolger, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), weiß zumindest um die Rolle der ewig Mäkelnden und versucht, mit ihnen klarzukommen. Qua Amt muss ein Innenminister ohnehin die Wächter über die Privatsphäre bezahlen - auch Peter Schaar, der das Parteibuch der Grünen besitzt.

In dunklem Anzug und blauer Krawatte tritt Schaar am Dienstag vor die Bundespressekonferenz. Die Kunststofftasche über seiner Schulter verrät das zweite Ego, das in ihm steckt. Doch an diesem Tag in Berlin zählt die Amtsperson. Nie war die Stimme des Datenschützers so wichtig: Die Datenskandale der Wirtschaft, die Anti-Terrorgesetze, den laxen Umgang der Bürger mit ihren Daten im Internet - all das geißelt Schaar und fordert neue Regeln.

Der 54-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er studiert Volkswirtschaft, steigt dann in der Hamburger Verwaltung vom Referatsleiter Datenverarbeitung zum Datenschutzbeauftragten auf. Danach gründet er die PrivCom Datenschutz GmbH. 2003 folgt der Ruf Schilys - auf Drängen der Grünen und kritisiert von der Union.

Schäuble, mit dem er sich gerne öffentlich zofft, schlägt ihn 2008 für eine zweite Amtszeit bis 2013 vor - obwohl Schaar ein Jahr zuvor die Politik des Ministers in seinem Buch "Das Ende der Privatssphäre" gegeißelt hatte. Privat arbeitet er in Gesellschaften rund um den Datenschutz.

Schaar lebt in Hamburg und arbeitet in Berlin - obwohl sein Amt in Bonn residiert. Er aber sucht die Nähe zur Macht, will Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen. Seine Berliner Dependance umfasst inzwischen sechs Kollegen - zwei weitere sollen bis zum Herbst folgen, damit jedes Referat mit einem Mitarbeiter zuarbeitet.

Trotz der Aufmerksamkeit, die Schaar derzeit genießt, ist er als Amtsträger mit den Jahren nicht beliebter geworden. Normal sei das, sagt er: "Wäre es anders, dann würde etwas nicht stimmen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%