Debatte über Mainzer Zugchaos
Union schmettert Brüderles Bahn-Vorstoß ab

FDP-Fraktionschef Brüderle sieht in einem Börsengang ein gutes Heilmittel für die derzeitigen Probleme der Bahn. Die Union hält die Gedankenspiele für wenig hilfreich, die SPD sieht einen Schuldigen im Bundeskabinett.
  • 14

BerlinIn der Union regt sich massiver Widerstand gegen Überlegungen des Koalitionspartners FDP, angesichts der chaotischen Zustände am Mainzer Hauptbahnhof eine grundlegende Umstrukturierung der Bahn in Betracht zu ziehen. „Für mich löst eine Privatisierung bei der Bahn kein Problem. Für Deutschland ist vor allem wichtig, dass die Bahn, auf die ja jeden Tag Millionen Menschen angewiesen sind, funktioniert“, sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) der „Leipziger Volkszeitung“.

Es könne nicht sein, dass eine Landeshauptstadt wie Mainz mehr oder weniger vom Bahnnetz abgekoppelt sei, sagte Kauder weiter. „Ich denke, dass die Bahn die Probleme in den Griff bekommen wird. Es muss aber schnell geschehen“, forderte der CDU-Politiker. „Ein Ausweis blendender Organisation ist der Vorgang leider nicht.“ Der Vorstand der Bahn müsse sich daher „intensiv mit der Frage beschäftigen, ob die Personalreserven wirklich ausreichend sind“. Zur Ehrenrettung der Bahn müsse aber auch gesagt werden, dass es auch bei anderen Verkehrsmitteln dauernd Verspätungen gebe.

Bei einem weiteren Spitzentreffen sollen heute Lösungen für die akuten Personalprobleme der Bahn gesucht werden. Bahnchef Rüdiger Grube trifft sich am Nachmittag in Frankfurt mit dem Vorsitzenden der Eisenbahngewerkschaft EVG, Alexander Kirchner, und dessen Stellvertretern. Zuvor tauschen sich Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und die Personalchefs der verschiedenen Unternehmenssparten mit Gewerkschaftern aus.

Seit mehr als einer Woche gibt es aus Personalmangel Zugausfälle und Umleitungen am Hauptbahnhof in Mainz. Nach einem Gespräch mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kündigte die Bahn am Dienstag an, die über Mainz führenden Zugverbindungen vom kommenden Wochenende an schrittweise wieder zu verbessern. Ab 30. August will sie zum normalen Fahrplan zurückkehren. Ins Mainzer Stellwerk sollen im September vier Fahrdienstleiter-Helfer zusätzlich kommen, von November bis Dezember fünf weitere neue Dienstleiter.

Der Personalmangel bei der Bahn wird in der Politik weiter kontrovers diskutiert. Die Strategie des international aktiven Konzerns wird von manchem infrage gestellt. Und sogar ein Börsengang ist wieder ein Thema. Nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) könnte ein Börsengang die Effizienz des Unternehmens steigern und für mehr Kundennähe sorgen. „Eine Privatisierung kann helfen, aber das ist derzeit eher ein Führungsproblem als eine Frage der Unternehmensform“, sagte Rösler der „Neuen Westfälischen“. „Der Marktdruck kann ein Unternehmen erfolgreicher machen.“ Zuvor hatte sein Parteikollege, FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle, verlangt, die Bahnstruktur mit ihrer staatlichen Absicherung zu überprüfen.

Kommentare zu " Debatte über Mainzer Zugchaos: Union schmettert Brüderles Bahn-Vorstoß ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die FDP fliegt sowieso aus dem Bundestag.
    Dafür kommt die AfD zweistellig rein.

  • Betrieb und Netz gehören bei der Bahn getrennt. Das Netz gehört zur staatlichen Infrastruktur, wo Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit im Vordergrund stehen. Der Betrieb auf der Schiene steht dagegen völlig zu recht im Wettbewerb, soll und muss in erster Linie kosteneffizient arbeiten. Die politische Fehlentscheidung, beides in einer Hand zu lassen, hat den Netzbereich unter zu starken Kostendruck gebracht und das rächt sich eben jetzt. Insofern hat Frau Höhn nicht ganz Unrecht, dass beim integrierten Bahnkonzern Investitionen ins Netz gegen Investitionen für andere Zwecke stehen. Dies ist aber nur Folge der politischen Fehlentscheidung aller Parteien mit Ausnahme der FDP, die immer Netz und Betrieb trennen wollte.

  • Schwan
    die Bahn ist keineswegs ein Zuschussbetrieb. Aber der Privatisierungswahn von Rot-Grün unter Mehdorn an der Spitze der Bahn, hat die Verhältnisse geschaffen, die heute vorhanden sind.
    Die Bahn fährt jährlich Gewinne ein.
    Anstatt diese zu verwenden, die Bahn etwas aufzumotzen, steckt Schäuble sich diese ein

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%