Debatte um Ehrendoktor-Titel
FDP stellt sich hinter Dr. h.c. Schavan

Ex-Bundesministerin Schavan hat wieder einen Doktortitel, allerdings nur ehrenhalber. Die SPD sieht das kritisch. Die FDP versteht die Aufregung nicht und rät den Sozialdemokraten, sich an die eigene Nase zu fassen.
  • 12

BerlinDass die Uni Lübeck der wegen Plagiatsvorwürfen zurückgetretenen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Ehrendoktorwürde verliehen hat, erhitzt die Gemüter. Die SPD sieht die Würdigung kritisch und fordert eine Debatte über die Anforderungen an solche Auszeichnungen, die FDP stellt sich dagegen hinter die CDU-Politikerin, der wegen Täuschung ihr Doktortitel aberkannt worden war.

FDP-Präsidiumsmitglied Volker Wissing wies die SPD-Vorbehalte via Twitter scharf zurück:

Der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, hatte zuvor erklärt, dass die Initiative und die Begründungen für die Vergaben von Ehrendoktorwürden zwar in der Verantwortung der Hochschulen und ihrer Gremien lägen. Grundsätzlich gelte aber: „Weniger wäre gewiss mehr. Größere Distanz wäre gewiss wertvoller. Wissenschaftsnähe wäre gewiss hochschulgemäßer“, sagte Rossmann Handelsblatt Online.

Der Bund als Gesetzgeber kann die Bedingungen für Ehrendoktorgrade nicht festlegen, da, wie Rossmann betont, die Gestaltung der Hochschulgesetze in der Verantwortung der Länder liege. Dennoch hält der SPD-Politiker Konsequenzen aus dem Fall Schavan für geboten: „Jenseits aller aktuellen Ereignisse und Widrigkeiten braucht es eine sehr ernsthafte weiterführende Debatte um die Qualitätsanforderungen an wissenschaftliche Arbeiten und Promotionen und darin eingeschlossen auch die Verleihung von Ehrendoktorwürden“, sagte Rossmann.

Schavan war am Freitagabend mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden. Damit würdigte die Universität Lübeck den Beitrag, den Schavan 2010 zur Rettung des Medizinstudiengangs geleistet hatte. Als Bundesforschungsministerin hatte sie dem Land damals 25 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für die Forschung zugesagt. Im Februar 2013 musste Schavan im Zuge einer Plagiatsaffäre zurücktreten. Die Hochschule hatte an der Auszeichnung festgehalten, obwohl die Universität Düsseldorf Schavan den wissenschaftlichen Doktortitel inzwischen aberkannt hat.

Wissing legte auf seiner Facebook-Seite nach und fragte: „Sollte die SPD nicht auch mal gönnen können?“ Die Verdienste von Schavan in der Bildungspolitik „dürften unumstritten sein“, schrieb der FDP-Politiker. Ihren akademischen Titel habe sie verloren. Die Ehrendoktorwürde sei aber „eher eine Würdigung ihrer bildungspolitischen Arbeit“.

Seite 1:

FDP stellt sich hinter Dr. h.c. Schavan

Seite 2:

SPD-Vize spricht von „peinlicher Provinzposse“

Kommentare zu " Debatte um Ehrendoktor-Titel: FDP stellt sich hinter Dr. h.c. Schavan"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dr h.c. für ALLE!
    Hat doch eh keinen Wert mehr...!!

  • "Als Bundesforschungsministerin hatte sie dem Land damals 25 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für die Forschung zugesagt"

    Aha, nur weil man Steuergelder verteilt, die man nicht selbst erwirtschaftet hat, bekommt man einen Ehrendoktor!

    Tolle Leistung!

  • So macht man den Dr. h.c. zur Witzveranstaltung. Man kann nur noch darüber lachen, über die uneinsichtige Schavan sowieso. Gescheitert bleibt gescheitert. Sie passte gut für die Abschiebung nach Brüssel!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%