Der gelernte Müllermeister will nach dern Wahl Fraktionschef werden
Raubein Glos

Sollte Michael Glos sich den Tort antun und im Kabinett Merkel einen Ministerposten ausfüllen, verarmt schlagartig der gesamte Hauptstadt-Journalismus. Der weiß-blaue Stammtisch, den der CSU-Landesgruppenchef in der Parlamentswoche oder wenn ihm etwas stinkt, einberuft, wäre gleich dahin. Dort frozzelt, zetert, rügt und verwünscht der CSU-Landesgruppenchef den politischen Gegner, dass es die Weißwürste aus dem Saitling haut.

Mitunter die Grenzen des Anstands streifend gibt er jedem der ihm gerade nicht passt, Saures - und das sind fast alle jenseits der CSU. Was Glos öffentlich von sich gibt, reicht auch, um den 60-Jährigen nicht unbedingt als geborenen Diplomaten auszuweisen. So beleidigte er Außenminister Joschka Fischer im Zusammenhang mit der "Visa-Affäre" als "Zuhälter." Das schenkte ihm die einzigartige Gelegenheit, zu beweisen, dass ein Raubein wie er sich auch entschuldigen kann. Tatsächlich zeigte er Anstand - zähneknirschend.

Vielleicht weil als Raubein bekannt, galt der gelernte Müllermeister schnell als trefflicher Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers. Das kam ihm selber gar nicht zupass. Prompt desertierte er und wurde ehrenhaft aus dem Kompetenzteam entlassen. Er gilt gleichwohl noch als möglicher Minister.

Weitaus lieber aber will der Fraktionsvize nach der Wahl Fraktionschef werden, ein für einen CSUler gewagtes, wenn nicht hoffnungsloses Unterfangen. Dabei ist er selber alles andere als vermessen. Der "Zeit" hat er die uneitle Selbsteinschätzung geschenkt: "Ach, wissen Sie: Ich hoffe, dass es meinem Land nie so dreckig geht, dass es auf Leute wie mich zurückgreifen muss." rks

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