Deutschland Schlusslicht
Krasses Lohngefälle zwischen Männern und Frauen

Nirgendwo in Europa liegen die Löhne von Frauen und Männern so weit auseinander wie in Deutschland. Laut OECD verdienen Männer in Deutschland deutlich mehr als Frauen. Derweil rückt eine Frauenquote in der EU näher.
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HamburgIn keinem anderen Land in Europa liegen die Löhne von Frauen und Männern so weit auseinander wie Deutschland, das geht aus einer neuen Datenbank der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Eine vollbeschäftigte Frau verdient danach in Deutschland knapp 22 Prozent weniger als ein Mann – der OECD-Schnitt liegt bei einem Minus von 16 Prozent. In der Berechnung haben die Statistiker der OECD die Löhne von Männern und Frauen in verschiedenen Ländern Europas verglichen - ohne Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alterdifferenzen, Qualifikation oder unterschiedlicher Karriereverläufe.

Die Zahlen der OECD befeuern die Debatte um eine gesetzliche Frauenquote in der EU. Bis Sommer will EU-Justizkommissarin Viviane Reding konkrete Vorschläge hierzu machen. Reding rief darum am Montag in Brüssel Unternehmen, Sozialpartner, Bürger und Nichtregierungsorganisationen auf, zu gesetzlichen Quoten und anderen möglichen Maßnahmen bei der Kommission Stellung zu nehmen.

„Das Fehlen der Frauen in den Spitzenpositionen der Geschäftswelt schadet Europas Wettbewerbsfähigkeit und behindert das Wirtschaftswachstum“, urteilte die Spitzenbeamte in einer Mitteilung. Die Kommission verwies auf Studien, nach denen ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Unternehmensspitzen zu besserer Leistung und mehr Gewinn beitrage. Das liege auch am „produktiveren und innovativeren Arbeitsumfeld“ durch mehr Frauen.

In der Spitze großer Unternehmen sind Frauen bisher spärlich vertreten. „Von sieben Aufsichtsrat- oder Vorstandsmitgliedern führender europäischer Unternehmen ist nur eins weiblich (13,7 Prozent)“, hieß es in der Erklärung. Deutschland liegt den EU-Zahlen zufolge mit 15,6 Prozent leicht über dem Durchschnitt, Spitzenreiter ist Finnland mit 27,1 Prozent, Schlusslicht Malta mit 3,0 Prozent. In Großbritannien sind es 15,6 Prozent und in Frankreich 22,3 Prozent.

Bei ihrer Erhebung hat sich die EU auf die 588 Großunternehmen aus der EU beschränkt - darunter auch die 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen. Die OECD kommt bei der Analyse einer deutlich breiteren Datenbasis zu einem deutlich schlechteren Ergebnis für Deutschland. Sie hat sich rund 50 000 Unternehmen in der EU anguckt, wovon mehr als 2000 aus Deutschland kamen. Das Ergebnis: Auf nur vier von hundert Vorstandsposten fand sich in Deutschland eine Frau. Im OECD-Durchschnitt waren es dagegen zehn Prozent.

Den höchsten Anteil an Führungspositionen hatten Frauen in Norwegen inne, das im Jahr 2006 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt hat. Auch in Schweden, Frankreich, Finnland und der Slowakei lag der Anteil von Frauen im Top-Management mit 15 bis 20 Prozent vergleichsweise hoch. Zu den Schlusslichtern Europas gehörten neben Deutschland die Tschechische Republik und die Niederlande.

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Großunternehmen schneiden besser ab

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  • (...)Statt von einem krassen Lohngefälle und damit implizit von einer Benachteiligung der Frauen zu schreiben wäre es schön, die Fakten aufzulisten.
    1) Die gutbezahlten Jobs sind hauptsächlich im MINT-Bereich anzutreffen (Mathematik, Chemie, Physik, Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, etc.)
    2) Der Anteil der Frauen an diesen Studiengängen bewegt sich teilweise im einstelligen Prozentbereich.

    Folglich ist der Anteil an Frauen in gutbezahlten Jobs gering. (...) Eine Quote ist mal wieder eine "politisch korrekte" Idiotie, die zudem die wenigen Frauen, die sich durch Fachkompetenz ausweisen und es geschafft haben, demütigt.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die Unterschiede sind absichtlich durch unsere Politiker gewollt! Deshalb weigern sich die Politiker hier Änderungen durch zu führen!

  • Wenn man ohne Berücksichtigung von Qualifikation und unterschiedlichen Karriereverläufen vergleicht (wie im Artikel geschrieben), ist doch klar, dass Hausfrauen mit Nebenverdienst die Statistik bei den Frauen runterziehen. Als echte Diskriminierung empfinde ich, dass zumindest bei öffentlichen Stellen, aber auch oft bei großen privaten Unternehmen, Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt werden. Mir wird hier eine Existenz vergönnt nur weil ich ein Mann bin und die Generationen vor mir anders herum diskriminiert haben.

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