Die CDU-Vorsitzende steht vor ihrem Karriereziel
Merkel und die Geschlechterfrage

Seit Jahren hat Angela Merkel um die Unions-Kanzlerkandidatur gekämpft - nun ist sie ihrem Ziel zum Greifen nah. Bereits 2002 entmachtete sie Friedrich Merz als Fraktionsvorsitzenden und ging fortan in die Offensive. Doch erst die Siegeserie bei den jüngsten Landtagswahlen gab ihr endültig Recht. Nur eins könnte ihr noch zum Verhängnis werden: die Geschlechterfrage.

HB BERLIN. „Sind Sie zäh?“, wurde Merkel vor kurzem gefragt. „Ich würde eher sagen: ausdauernd“, antwortete die 50-Jährige. Diese Ausdauer hat sich ausgezahlt. Jetzt, nach dem fulminanten Wahlsieg in Nordrhein- Westfalen, sind auch die Restzweifel ausgeräumt, die sich um ihre Kandidatur rankten.

Merkel ist im Grunde ein vorsichtiger Mensch - mitunter skeptisch bis misstrauisch. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Auch wenn sie jetzt auf dem Gipfel ihrer Macht steht, werden gerade die vergangenen fünf Monate sie in ihrer Vorsicht bestätigen. Vor dem überraschenden CDU-Wahlsieg in Schleswig-Holstein stand sie noch mit dem Rücken zur Wand.

Da war wieder die bekannte Haltung vieler in der Parteiführung, in der Zuschauerrolle abzuwarten, was mit der „Frau Vorsitzenden“ passiert. Sie selbst fühlte, dass sie in der Patsche steckte, nachdem das gesamte zweite Halbjahr 2004 für die CDU durch den Gesundheitsstreit mit der CSU verloren war.

So blieb ihr nur, der Partei vollen Einsatz zu demonstrieren. Sie warf ihren Terminplan um und erhöhte ihre Wahlkampfauftritte im Norden. „Ich will mir nichts nachsagen lassen“, erklärte sie in jenen Tagen, als sich einige schon auf den Abgesang für Merkel eingestellt hatten.

Schließlich hatte die CDU-Chefin die für einen Politiker neben Kompetenz und Durchsetzungsvermögen wichtigste Voraussetzung für Erfolg: Glück. Die Kieler SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis schwächelte gegen einen stärker werdenden CDU-Spitzenmann Peter Harry Carstensen, die Zahl von 5 Millionen Arbeitslosen schockte die Öffentlichkeit, die „Visa-Affäre“ verunsicherte die SPD-Wähler zusätzlich. Die CDU gewann gegen alle Prognosen im Norden - die Diskussion um Merkel war beendet.

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