Die Filmbranche freut sich auf die Berlinale und genießt die üppige öffentliche Förderung
Auch Leinwandhelden brauchen Hilfe

Babelsberg goes Hollywood? Dank öffentlicher Förderung ist der Filmstandort Deutschland inzwischen auch wieder attraktiv für internationale Großproduktionen.

BERLIN. Auch in Celle gibt es Hochsprungmatten. Grund genug für Produzent Gerhard Schmidt, sein Filmteam für ein paar Trainingsbilder nach Niedersachsen zu schicken – und so Geld vom Nordmedia-Fonds, der Fördereinrichtung von Bremen und Niedersachsen, zu kassieren. Insgesamt aus drei Bundesländern flossen Darlehen. Einen Zuschuss vom Bund gab es obendrein. Nur Medienboard, die Filmförderung für Berlin-Brandenburg, wollte keinen Kredit vergeben. Dabei heißt der Film über die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann „Berlin 36“.

Die Filmförderung erfreut beide Seiten, Geförderte und Förderer. Wenn Kulturstaatsminister Bernd Neumann am morgigen Donnerstag die 59. Berlinale-Filmfestspiele eröffnet, wird er die Filmförderung als Schlüssel zum Erfolg loben – wie in den vergangenen Jahren. Neumann selbst gründete 2007 den Deutschen Filmförderfonds (DFFF). Der soll den Filmstandort Deutschland attraktiv machen für internationale Großproduktionen.

Neumann freut sich nicht nur über immer mehr Hollywood-Produktionen im Land wie etwa „Operation Walküre“ mit Tom Cruise als Graf von Stauffenberg. Auch die Zahl der Kinobesucher stieg 2008 um drei Prozent. Zu 26,6 Prozent sahen sie deutsche Filme; das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Ohne öffentliche Förderung da sind sich Politiker und Filmschaffende einig, gäbe es viel weniger Projekte.

Filmförderung war lange Ländersache. Die sieben regionalen Fördergesellschaften vergeben insgesamt über 130 Mio. Euro an Darlehen. Es geht viel um regionale und kulturelle Effekte. Daneben finanziert die Filmförderungsanstalt des Bundes ihren 77-Millionen-Etat nur über Abgaben von Kinos und Videotheken. Der Filmförderfonds steckte 2008 rund 59 Mio. Euro in 98 deutsche Filme und internationale Koproduktionen. Die Anreize sollen sich lohnen: Die Filmcrews arbeiten monatelang in Deutschland und geben Geld aus. Der DFFF kalkuliert, dass die 59 Mio. Euro Fördergeld deutsche Herstellungskosten von über 390 Mio. Euro ermöglicht.

Der Filmförderfonds erzielt vor allem in Berlin und Brandenburg Wirkung. Das Studio Babelsberg ist als einziges in Deutschland auf Kino-Großproduktionen spezialisiert. Gerade scheiterten zwar die Verhandlungen mit der Stadt Berlin, die Produktion auf das Flughafengelände Tempelhof auszuweiten. Dank Auftritten von Tom Cruise, Quentin Tarantino oder Brad Pitt macht das Filmstudio Babelsberg aber längst wieder Gewinne.

In Hollywood wälzen längst Spezialisten die dicken Förderbedingungen, bevor die Produzenten einen Drehplan festlegen. Produzent Schmidt beschäftigt bei Gemini Film überall in Deutschland sogenannte Location-Scouts, die Drehorte besichtigen. „Oftmals muss man zwischen künstlerischem Motiv und Förderung abwägen, welchen Drehort man nimmt“, sagt er. Auf die Drehbücher habe das jedoch keinen Einfluss, beteuert er.

Andere Länder wie USA, England oder auch Ungarn arbeiten mit Steuervergünstigungen. Studio-Babelsberg-Chef Carl Woebcken, der auch Koproduzent für Filme wie „The International“ ist, macht daher die internationale Konkurrenz zu schaffen. Im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien erwägt die Abgeordnete Angelika Krüger-Leißner (SPD) bereits eine Anhebung des Filmförderfonds um zehn bis 20 Mio. Euro. „Die Filmwirtschaft kann das Geld im Gegensatz zu anderen Industrien ohne Vorleistungen sofort ausgeben“, argumentiert Woebcken.

Woebckens Film „The International“ war mit 5,8 Mio. Euro einer der Hauptempfänger aus dem DFFF. Der Agententhriller des deutschen Regisseurs Tom Tykwer mit Schauspielern wie Armin Müller-Stahl und Naomi Watts eröffnet die Berlinale.

Der DFFF zahlt grundsätzlich bis zu 20 Prozent der deutschen Herstellungskosten. Produzenten loben den Fonds, weil das Geld „geschmacksneutral“ vergeben werde. Die Länder machen da mehr Vorgaben. Bei der Filmförderung des Bundes geht es eher um deutsche Filmschaffende und Drehorte als um Hochkultur: So räumte 2007 der digitale Action-Film „Speed Racer“ neun Mio. Euro Fördergeld ab. Und 2008 war „Ninja-Assassin“ 5,7 Mio. Euro Steuergeld wert.

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