Die hohe Erwerbsquote von Frauen hat ihren Preis
Ganztagsbetreuung ist Standard in Skandinavien

Für Anna Johansson und ihren Mann gab es nie eine Diskussion. „Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen, war kein Problem“, sagt die 40-jährige Journalistin aus Stockholm. Vor acht Monaten bekam sie ihr erstes Kind, heute sitzt sie wieder hinter dem Redaktionsschreibtisch einer großen Tageszeitung. Dass das funktioniert, verdankt sie dem nordeuropäischen Kinderbetreuungssystem – und der Bereitschaft ihres Mannes, einen Teil des in Schweden garantierten Elternurlaubs zu nehmen.

STOCKHOLM.

Ob in Dänemark, Finnland, Island, Norwegen oder Schweden – überall wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie groß geschrieben. Auch und vor allem vom Gesetzgeber, der sich zu einer ganztägigen Kinderbetreuung verpflichtet hat. „Ohne dieses System hätten wir es mit unserer kleinen Tochter nie hinbekommen“, sagt Johansson, „das System funktioniert zumindest für uns perfekt.“

Wie perfekt, belegen Zahlen: In den nordeuropäischen Ländern ist die Geburtenrate mit für dieses Jahr geschätzten 1,7 (Schweden) bis 1,99 (Island) Kindern pro Frau relativ hoch. Doch gleichzeitig nehmen die nordeuropäischen Länder auch bei der Erwerbsquote von Frauen mit zwischen 70 und 80 Prozent einen europäischen Spitzenplatz ein, Deutschland liegt mit seinen knapp über 60 Prozent im hinteren Feld. Die hohen Quoten in Nordeuropa sind Ergebnis einer Sozial- und Familienpolitik, die es Frauen ermöglicht, so schnell wie möglich oder nötig nach der Geburt des Kindes wieder in das Arbeitsleben zurückzukehren.

Erreicht wurde das in Schweden durch ein gut ausgebautes Netz von Kindertagesstätten. Hier werden auch Kleinkinder ab etwa acht Monaten betreut. Die Kitas sind ganztägig geöffnet, in den größeren Städten gibt es sogar Kindernachtstätten für Eltern, die nachts arbeiten müssen. Das Kita-System geht nahtlos in die Vorschule mit Freizeitbetreuung über. Später gehen die Kinder in Ganztagsschulen. Die Kosten der Kita-Betreuung waren ein ständiger Streitpunkt in der schwedischen Innenpolitik.

Vor zwei Jahren reagierte die sozialdemokratische Regierung und führte die „Maxtaxa“, eine obere Gebührengrenze für die Kinderbetreuung in Kitas ein: Unabhängig vom Einkommen zahlen Eltern maximal rund 130 Euro im Monat für den Kita-Platz. Unabhängig vom Einkommen wird auch das Kindergeld gezahlt: Es beträgt derzeit rund 100 Euro je Kind und Monat.

Seite 1:

Ganztagsbetreuung ist Standard in Skandinavien

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%