Die Mitmach-Republik
Parteien bemühen sich um ehrenamtliche Helfer

Freiwilliges Engagement ist gefragt wie nie. Auch die Politik hat das Ehrenamt entdeckt – und nutzt es für Wahlkampfzwecke. Wie CDU und SPD in Berlin darum streiten, wessen Partei sich mehr für die unbezahlten Helfer eingesetzt hat.

BERLIN. Wohin sich Frank-Walter Steinmeier auch wendet – die Freiwilligen sind überall. Denn im Foyer des Willy-Brandt-Hauses haben mehr als ein Dutzend Hilfsorganisationen ihre Stände aufgebaut und wollen über ihre Arbeit informieren. „Jugendwerk Aufbau Ost (JAO)“, „Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement“ oder „Arbeit durch Management“ heißt es auf den Stellwänden rings um den Saal. In der Mitte steht der Vizekanzler und lobt das ehrenamtliche Engagement in höchsten Tönen – als Bindemittel der Gesellschaft und mit großer Bedeutung gerade in der Wirtschaftskrise. „Wir wollen mehr Hilfe für Helfer“, betont Steinmeier und erntet Applaus.

Denn die Politik will in diesen Tagen beweisen, dass sie sich nicht nur um die Rettung von Banken kümmert. Die Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion soll das öffentliche Augenmerk auf die vielen Millionen ehrenamtlichen Helfer in Deutschland richten, die eher in aller Stille daran arbeiten, dass die Gesellschaft funktioniert.

Aber ganz uneigennützig ist die Aktion natürlich auch nicht – wie kaum etwas in der heraufziehenden Wahlkampfzeit. Denn in den Parteien wird sehr nüchtern analysiert, dass es zwar eine große Bereitschaft der Deutschen gibt, sich zu engagieren und zu helfen – allerdings nicht unbedingt in der und für die Politik. Angesichts der im Wahlkampf nötigen Mobilisierung ist dies für die Parteistrategen eher misslich.

Also sucht die Politik derzeit ganz bewusst den Kontakt zu denen, die wichtige Multiplikatoren in der Gesellschaft sind. Deshalb steht der SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier hier auf der Bühne. Deshalb lädt Bundeskanzlerin Angela Merkel 200 Sozialarbeiter aus den verschiedensten Bereichen ins Kanzleramt ein.

Längst ist zudem zwischen den Bundesministerien ein informelles Wettrennen um den Ausbau der „Freiwilligendienste“ ausgebrochen, mit denen der Staat soziales Engagement gerade junger Menschen unterstützen will. Mittlerweile gibt es für Interessierte in Deutschland das „Freiwillige soziale Jahr (FSJ)“ und das „Freiwillige ökologische Jahr (FÖJ)“. Das Entwicklungshilfeministerium hat den Auslandsdienst „weltwärts“ gegründet, bei dem junge Menschen in Hilfsprojekten in anderen Ländern mitarbeiten können. Und das Auswärtige Amt hat mit „kulturweit“ einen eigenen Dienst für die Auswärtige Kulturpolitik geschaffen. In allen Fällen werden junge Menschen, die sich für ein Projekt engagieren wollen, finanziell unterstützt und vor allem versichert. Einen Vorteil haben beide Seiten: Denn jedes Ministerium kann mit relativ wenig Geld Bereiche fördern, die es ohnehin als ausbauwürdig ansieht. Die Jugendlichen erhalten für die praktikumsähnliche Arbeit rund 350 Euro monatlich, dazu Reisekosten.

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