DIHK nennt "Zahlenspiele" dreiste "Demagogie"
DGB: Es fehlen mehr als 200 000 Lehrstellen

Zwischen Wirtschaft und Gewerkschaft ist um die Zahl der fehlenden Ausbildungsplätze ein heftiger Streit entbrannt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nannte die Lehrstellenlücke in Deutschland am Dienstag deutlich größer als bisher angenommen. Die Lücke liege nicht bei der offiziell gemeldeten Zahl von 24 000 sondern sei „in Wahrheit zehn Mal so groß und beträgt weit über 200 000“, sagte DGB-Chef Michael Sommer der Tageszeitung „Die Welt“.

HB BERLIN. Dies bestritt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben nannte die „Zahlenspiele“ des DGB-Chefs „dreiste Demagogie.“ Die Behauptung, dass die Lehrstellenlücke weit über 200 000 liege und nur 47 Prozent der Jugendlichen im dualen Ausbildungssystem ausgebildet würden, werde durch Wiederholung nicht richtiger.

Bis zu 250 000 Jugendliche träten jedes Jahr eine Ausbildung an, ohne das Arbeitsamt einzuschalten. Deshalb seien die Statistiken, auf die Sommer sich beziehe, vollkommen irrelevant, erläuterte der DIHK. Auf die Zahl von über 200 000 fehlenden Stellen komme man nur durch Einbeziehung aller Jugendlichen, die ihren ersten Ausbildungswunsch nicht erfüllen konnten und Alternativen gefunden hätten. „Genauso gut könnte man alle, die nach einem besseren Job suchen, zu den Arbeitslosen zählen“, so Wansleben.

Insgesamt seien die Zahlen in diesem Jahr keineswegs so schlecht, wie noch im Frühjahr 2003 prognostiziert, meinte der DIHK. Mittlerweile seien rund 96 Prozent aller Bewerber untergebracht. Die Kammern hätten Ende Oktober sogar 0,3 Prozent mehr neue Ausbildungsverträge als im Vorjahr verzeichnet. Die Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe würde nur die positiven Wirkungen der angestrebten Reformen konterkarieren.

Sommer forderte in dem Zeitungsinterview zugleich die Einführung einer Börsenumsatzsteuer und eine höhere Erbschaftsteuer. Eine Erhöhung der Erbschaftsteuer allein könne dem Staat jährlich 7,5 Milliarden Euro bringen. Dies alles, so der DGB-Chef, würde nicht nur die Steuereinnahmen vergrößern, sondern auch für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen.

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