Diskussion um große Koalition
Union will die Vollzeit-Kanzlerin

Das Plädoyer von Gerhard Schröder für eine große Koalition wird in der Union mit Wohlwollen aufgenommen. Dass sich die SPD mittlerweile in der Kanzlerfrage konzilianter gibt, veranlasst CDU und CSU, angeblichen Überlegungen zu einer geteilten Kanzlerschaft umso vehementer eine Absage zu erteilen.

HB BERLIN. Mehrere Unionspolitiker sprachen sich dagegen aus, Schröder und Merkel in einer großen Koalition jeweils zwei Jahre regieren zu lassen. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble sagte: "Wir wollen eine stabile Regierung für vier Jahre." Merkel müsse Kanzlerin werden. Auch der saarländische Ministerpräsident Peter Müller sprach sich gegen eine rotierende Kanzlerschaft aus. "In der Politik wäre eine solche Idee Ausdruck mangelnder Ernsthaftigkeit". Müllers sachsen-anhaltinischer Kollege Wolfgang Böhmer meinte: "Wenn sich die SPD mit solchen Gedankenspielen weiter beschäftigen wollte, würde allen deutlich, dass es ihr nicht um die Sache und nicht um eine gute Lösung für das Land geht, sondern um Eitelkeit von Personen".

Schröder hatte am Sonntag in einem ARD-Interview erstmals seinen Rückzug im Ringen um eine große Koalition nicht mehr ausdrücklich ausgeschlossen. Er betonte, dass er alles dafür tun werde, dass eine große Koalition zu Stande komme. Dabei stünden die Sachthemen im Vordergrund, die Personalfragen sollten zum Schluss geklärt werden.

Auch SPD-Partei - und Fraktionschef Franz Müntefering, der den Führungsanspruch Schröders bisher kompromisslos verteidigt hatte, schlug leisere Töne an. Er wolle versuchen, eine solche Koalition "mit Gerhard Schröder an der Spitze" hinzubekommen. Jedoch gebe es in der Führungsfrage "keinen Grund, irgendetwas anzumahnen oder zu entscheiden".

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck bestritt am Montag in Berlin, dass es in der Parteispitze Überlegungen über eine Teilung der Kanzlerschaft gibt. Bereits am Abend in der Sendung "Sabine Christiansen" hatte Beck eine derartige Lösung als "nicht besonders erstrebenswert" bezeichnet.

Die Grünen haben unterdessen offenbar jede Hoffnung auf eine "Jamaika-Koaliton" mit Union und FDP aufgegeben, dem alle Seiten ohnehin nur geringe Chancen eingeräumt hatten. Bundesumweltminister Jürgen Trittin sagte, Angela Merkel habe das Sondierungsgespräch mit seiner Partei nur geführt, "um ihre Ausgangsposition bei dem Poker, wer in der großen Koalition die Kanzlerin oder den Kanzler stellt, zu verbessern". Den Gang in die Oppostion nannte Trittin eine "sehr, sehr schwierige Operation" für die Grünen. "Nämlich eine große Koalition, wenn sie denn zu Stande kommt, vor sich her zu treiben in einem Konkurrenzkampf mit der marktradikalen FDP auf der einen und einer neu und gestärkten Linkspartei/PDS auf der anderen Seite."

Müntefering stellte eine Entscheidung über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen nach der Nachwahl in Dresden am nächsten Wochenende in Aussicht. Das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl wird laut Bundeswahlleiter Johann Hahlen am 7. Oktober festgestellt.

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