Dispozinsen
Banken sollen Schuldnerberatung anbieten

Sparer bekommen kaum mehr Guthabenzinsen. Dafür zahlt, wer sein Konto überzieht, umso mehr. Künftig sollen Dispozinsen transparenter – und Kontoüberzieher von der Bank beraten werden. Ein Gesetz geht heute ins Kabinett.
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BerlinVon einer Abzocke der Banken ist die Rede. Von einer Schuldenfalle für die Kunden. Die hohen Dispozinsen, die Geldinstitute für die Kontoüberziehung verlangen, regen Verbraucherschützer wie Politiker nun schon seit Jahren auf. Obwohl die Leitzinsen auf einem Rekordtief liegen, verlangen die Geldinstitute noch immer zum Teil zweistellige Zinsen, wenn Kunden mit dem Konto ins Minus rutschen.

Jetzt greift die Politik ein und will den Banken strengere Vorgaben machen. Wie der Tagesspiegel aus Regierungskreisen erfuhr, soll das Kabinett an diesem Mittwoch einen Gesetzentwurf von Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) absegnen.

Banken sollen demnach dazu verpflichtet werden, die Höhe der Dispozinsen auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. Maas hofft, dass sich der Markt auf diese Weise selbst reguliert. Die Kunden sollen Konditionen leichter vergleichen können und die Banken den Dispokredit unter dem Druck der Konkurrenz senken.

Eine Deckelung für den Überziehungszins, wie ihn Verbraucherschützer lange gefordert hatten, wird es dagegen nicht geben. Auch ein deutlicher Warnhinweis für den Kunden, wie er noch im Koalitionsvertrag vorgesehen war, wird mit dem neuen Gesetz erst mal keine Pflicht.

Stattdessen müssen die Banken ihren Kunden künftig ein Beratungsgespräch anbieten, wenn sie ihr Konto zu lange zu stark überziehen. In einem solchen Gespräch soll der Berater dem Kunden dann eine Umschuldung auf einen günstigeren Kredit vorschlagen und auf externe Angebote wie eine unabhängige Schuldnerberatung verweisen.

Nach Tagesspiegel-Informationen greift diese Pflicht zur Beratung erst, wenn der Kunde sein Konto bereits drei Monate lang in Höhe der Hälfte seines durchschnittlichen Geldeingangs überzieht – oder wenn er mindestens sechs Monate lang seinen Disporahmen zu 75 Prozent ausschöpft.

Verbraucherschützer begrüßen das Gesetz im Grundsatz zwar. Es lenke „mehr Aufmerksamkeit auf das Problem privater Überschuldung“, heißt es etwa beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Von dem Beratungsgespräch durch die Bank verspricht sich Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim VZBV, allerdings wenig. Es sei das falsche Instrument, um Kunden vor der Überschuldung zu schützen, meint sie.

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Verbraucherschützer: Das falsche Instrument

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