DIW zur Energiewende
Warum Gabriels Kohle-Abgabe Sinn macht

Zu viel Kohlestrom im Netz schmälert den Wert von Ökostrom und konterkariert die Energiewende. Minister Gabriel reagiert mit einer Kohle-Abgabe und erntet Kritik. Dabei ist er damit auf dem richtigen Weg, meint das DIW.
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BerlinDie Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, sieht in der von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplanten Sonderabgabe auf alte Kohlekraftwerke eine Möglichkeit, den zunehmenden Wertverlust von Strom aus erneuerbaren Energien zu stoppen.

„Der Wertverfall der erneuerbaren Energien wird vor allem auch dadurch ausgelöst, dass noch immer zu viel konventioneller Kohlestrom produziert wird und es dadurch zu massiven Überschüssen kommt“, sagte Kemfert dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Gabriels Vorschlag für eine Klimaabgabe beim Überschreiten eines CO2-Freibetrags für mehr als 20 Jahre alte fossile Kraftwerkegehe gehe daher in die richtige Richtung.

Besser wäre aus Kemferts Sicht jedoch, alte Kohlekraftwerke abzuschalten. „Heute gibt es einen großen Stromangebotsüberschuss, ausgelöst vor allem durch den Einsatz von alten ineffizienten Kohlekraftwerken“, erläuterte die Ökonomin. Diese führe zu einem Absenken der Strompreise an der Börse.

„Aus diesem Grund kann eine doppelte Dividende erreicht werden, wenn alte ineffiziente Kohlekraftwerke aus dem Markt gehen würden“, ist Kemfert überzeugt. „Der Stromangebotsüberschuss würde sinken, der Strompreis an der Börse wieder steigen und die Wirtschaftlichkeit der Kraftwerke verbessern.“

Zudem würde sich aus Kemferts Sicht die Klimabilanz verbessern. Kohlekraftwerke seien aufgrund ihrer Inflexibilität „eher ungeeignet“ für eine Kombination mit erneuerbaren Energien, Gaskraftwerke dagegen deutlich besser geeignet.

„Durch einen höheren Strombörsenpreis und einen höheren CO2-Preis würde sich die Wirtschaftlichkeit der flexiblen Kraftwerke verbessern. Zudem würde die EEG-Umlage sinken.“ Das Argument der Kritiker von Gabriels Klimaabgabe, dass die Klimaziele durch den europäischen Emissionshandel erreicht werden könnten, teilt Kemfert nicht. „Der Emissionshandel funktioniert leider nicht, da der CO2-Preis zu niedrig ist“, sagte sie.

Dagegen stellt der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer kürzlich indirekt die von der Regierung eingegangenen Verpflichtungen zur Emissionsminderung in Frage, indem er sagte, die Klimaziele seien „kein Selbstzweck“.

Pfeiffer zeigte sich überzeugt, dass die Klimaziele durch den Emissionshandel erreicht werden könnten und wandte sich gegen zusätzliche nationale Maßnahmen. Dies wies Gabriel allerdings unter Hinweis auf den Preisverfall bei CO2-Zertifikaten zurück. Der Emissionshandel sei für die Zeit bis 2020 kein wirksames Instrument.

„Wenn wir das Klimaziel erreichen wollen, dann müssen alte Kohlekraftwerke aus dem Markt“, meinte der Grünen-Umweltpolitiker Oliver Krischer. „Wir brauchen den Strukturwandel“, plädierte er für eine Abkehr von fossilen Energieträgern. „Wir dürfen nicht wie bei der Steinkohle den Fehler machen, an überkommenen Strukturen festzuhalten.“ Es gehe um einen „Einstieg in den Ausstieg“, sagte auch die Grünen-Klimaexpertin Annalena Baerbock.

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„Die Stromverbraucher zahlen den Wertverlust“

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  • Zitat:
    " Das Strom "entsorgt" wird, mag Ihrer Sichtweise entsprechen..."

    Fakt ist doch, dass die deutschen Verbraucher für den Strom mittleweile 30 Cent berappen dürfen. Natürlich incl. EEG-Umlage, Offshore-Haftung, KWK-Umlage und das ganze Gerödel udn natürlich zuzgl. Stromsteuer und Mwst. Und wenn "Deutschland" (gemeint sind wohl eher die deutschen Stromhändler?) diesen teuer erzeugten Strom dann für rd. 5 Cent ins Ausland verkaufen (müssen, da ansonsten keine Verwendung, da nicht NACHGEFRAGT), dann rede ich halt von entsorgen.

    Das EEG ist sowas wie ein Vertrag zu Lasten der deutschen Privatbevölkerung. Man kann auch einfach von Abzocke reden.

    Lesen Sie mal den hier:
    „Es liegt zumindest die Vermutung nahe, dass auch teilweise der vom Verbraucher bezahlte EEG-Strom an der Börse von Händlern günstig eingekauft und mit erheblichen Aufschlägen ins Ausland verkauft worden ist“, sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster. „Nachweisen lässt sich das allerdings nicht, denn der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass der grüne EEG Strom an der Strombörse derzeit nur ‘herkunftsneutral‘, d.h. ohne Kennzeichnung, vermarktet werden darf“, so Allnoch.

    Quelle:
    http://www.windkraft-journal.de/2014/07/17/stromexport-deutschland-erzielt-rekordeinnahmen/

    Bei der "herkunftsneutralen Vermarktung" wird sich die Politik schon was bei gedacht haben.

    :-D :-D

  • Scheinbar haben Sie Ihr eigenenes System nicht verstanden.

    Zitat:
    "....wird ein Wertverfall an der Strombörse von 25 Prozent prognostiziert, falls der Anteil von Windstrom im Netz von derzeit neun Prozent auf 30 Prozent steigt.

    Bei Solarenergie fällt demnach der Verfall sogar noch stärker aus: Selbst bei einem Marktanteil von nur 15 Prozent sei hier ist ein Wertverlust von 50 Prozent zu erwarten. Sinke jedoch der Wert des Stroms, steigt die von den Verbrauchern gezahlte Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)."

    Die künstliche Verteuerung des Kohlestroms wird den Börsenstrompreisverfall nur mal kurz abschwächen, wenn weiter Hinz und Kunz ohne Rücksicht auf irgendeinen Bedarf dioe Landschaft mit EE-Anlagen zupflastern darf.

    Zitat:
    "Setzt sich diese Selbstkannibalisierung der Erneuerbaren in gleichem Maße fort, werden Windturbinen und Solarzellen wohl noch lange nicht wettbewerbsfähig sein“, sagte der Wissenschaftler dem Handelsblatt. Der Marktwertverlust von Wind- und Solarstrom hätte demnach zur Folge, dass diese Technologien länger gefördert werden müssen, als viele hoffen. Dies wirke sich laut Hirth auf die langfristige Förderstruktur des EEG und die Höhe der EEG-Umlage aus. „Es sind die Stromverbraucher, die den Wertverlust in Form der EEG-Umlage mitzahlen werden müssen.“

    Quelle:
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/studie-zur-energiewende-strom-aus-erneuerbaren-kannibalisiert-sich-selbst/11661354.html

    Der energetische Endsieg ist nahe! :-D

    EEG= Energetisches EnteignungsGesetz.

  • Zitat: "So wie ich das sehr, laufen hier wegen der Grundlastproblematik die Endlichen durch und der Zufallsstrom wird zumindest zum großen Teil ins Ausland entsorgt "entsorgt". "

    Es laufen nur die Braunkohle- und die Kernkraftwerke durch. Das Strom "entsorgt" wird, mag Ihrer Sichtweise entsprechen, aber eine "Entsorgen" gibt es in einem Stromnetz nicht. Die eingespeiste Energie muss verbraucht werden.
    Kernkraftwerke sind in wenigen Jahren Geschichte und Baunkohleverstromung incl. Tagebau sind nach der Kernenergie die nächsten Kandidaten, die sich politisch nicht mehr lange halten lassen. Das dürfte auch bei weiterem Ausbau der Erneuerbaren Energien für Enspannung auf einem Strommarkt sorgen, der mit Überkapazitäten zu kämpfen hat.

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