Dreieinhalbstündige Grundsatzdebatte
Lockerung des Stammzellgesetzes scheint möglich

Im Bundestag zeichnet sich Rückhalt für eine Lockerung des Stammzellgesetzes ab. In einer dreieinhalbstündigen Grundsatzdebatte war darüber diskutiert worden, ob künftig mehr embryonale Stammzellen aus dem Ausland importiert werden dürfen.

HB BERLIN. Zahlreiche Abgeordnete aller Parteien und die Bundesminister Annette Schavan (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Brigitte Zypries (SPD) warben am Donnerstag in einer Grundsatzdebatte für eine Lockerung des Stammzellengesetzes. Allerdings gibt es auch erheblichen Widerstand. Die Entscheidung soll Mitte März fallen. Die katholische Kirche bekräftigte ihre Ablehnung.

Es geht darum, ob künftig mehr embryonale Stammzellen aus dem Ausland importiert werden dürfen. Bislang ist dies nur für Zelllinien erlaubt, die bereits vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Rund 285 von 613 Abgeordneten haben sich in Anträgen dafür ausgesprochen, den Stichtag auf den 1. Mai 2007 zu verschieben oder ganz aufzuheben. Damit hätten deutsche Wissenschaftler Zugriff auf mehr und frischeres Zellmaterial.

Mit der Forschung an embryonalen Stammzellen verbindet sich die Hoffnung auf künftige Heilungschancen für Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose. Sie ist aber höchst umstritten, weil für die Gewinnung der Zelllinien Embryonen getötet werden. Im Bundestag liegen auch Anträge vor, die strikten Regeln beizubehalten oder sogar noch zu verschärfen. Der Fraktionszwang ist aufgehoben, alle Positionen haben Anhänger in allen Parteien.

Der SPD-Politiker René Röspel warb für eine einmalige Verschiebung des Stichtags. Damit wäre deutschen Forschern geholfen, die die alten Zelllinien für unzureichend und unbrauchbar halten. „Das würde für viele Jahre reichen“, sagte Röspel. Gleichzeitig bliebe aus seiner Sicht der Kompromiss des Stammzellgesetzes von 2002 erhalten. Dort sei ein Mittelweg zwischen dem Schutz des Lebens und der Forschungsfreiheit gefunden worden, sagte Röspel. Für diese Position setzen sich rund 185 Abgeordnete ein, darunter Schavan, Seehofer und Zypries.

Seite 1:

Lockerung des Stammzellgesetzes scheint möglich

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%