Dresdner Vorbild
Appetit auf öffentliche Wohnungen

Dresden dürfte kaum die letzte deutsche Kommune gewesen sein, die ihren Wohnungsbestand versilbert: Finanzinvestoren mit prall gefüllten Kassen reisen durch die Lande und locken damit die Kämmerer. Für die Mieter dürfte sich dies nicht unbedingt zum Vorteil entwickeln.

HB DRESDEN/BERLIN. Die US-Investorengruppe Fortress, die die Dresdner Wohnungsgesellschaft Woba kauft, kündigte am Freitag weitere Investitionen in Immobilien an. Dabei habe das Unternehmen auch „prosperierende Gebiete“ im Osten im Blick, sagte der Geschäftsführer der Fortress Deutschland GmbH, Matthias Moser, am Freitag in Dresden. Details nannte er nicht. Fortress hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren bereits zehn Milliarden Euro für Immobilien in Deutschland ausgegeben. Dazu gehören rund 160 000 Wohnungen.

Nach Informationen des Berliner „Tagesspiegels“ drängt nun ein weiterer Finanzinvestor auf den deutschen Wohnungsmarkt. Die „Puma Brandenburg Limited“, hinter der vor allem britische Investoren wie Pensionskassen stünden, wolle in den nächsten Jahren vor allem in Berlin für bis zu drei Milliarden Euro Wohnungen kaufen. Puma Brandenburg sei auf der Kanalinsel Guernsey registriert und gehöre zur britischen Shore-Capital-Gruppe. Die Preise für Immobilien in Berlin seien viel niedriger als zum Beispiel in London oder Paris.

Deutschlands größte Immobiliengesellschaft Deutsche Anningtion, die der britischen Beteiligungsgesellschaft Terra Firma gehört, verkündet unterdessen schlechte Nachrichten für Deutschlands Mieter: „Ich erwarte in Ballungszentren überproportional hohe Mietsteigerungen“, erklärte Annington-Chef Volker Riebel den „Ruhr Nachrichten“. Von Mieterhöhungen oberhalb der allgemeinen Preissteigerung seien vor allem Ballungszentren wie Köln, Frankfurt oder München betroffen.

Die Deutsche Annington ist am Kauf von 106 000 Wohnungen der nordrhein- westfälischen Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) interessiert, daneben gelten die Finanzinvestoren Fortress, Cerberus und Morgan Stanley als mögliche Käufer. Mit einer Eröffnung des Bieterverfahrens rechnet Riebel im Verlauf dieses Jahres.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund betrachtet den Weg Dresdens, über den Wohnungsverkauf die kommunale Kasse zu sanieren, jedoch nicht als Vorbild für andere verschuldete Städte. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte der „Berliner Zeitung“: „Das ist ein Einzelfall und keine Blaupause für die Lösung kommunaler Finanzprobleme“. Die Mehrzahl der deutschen Städte habe „solche Filetstücke nicht oder nicht mehr“. Er freue sich zwar, „wenn es Dresden gelingt, sich von seinen Schulden zu befreien“, sagte Landsberg. Doch stelle das für die Kommunen insgesamt keinen Weg aus ihrer Finanzkrise dar. Das könne nur gelingen, wenn Bund und Länder ihnen weniger Aufgaben aufbürdeten und wenn die Investitionen stiegen, sagte Landsberg.

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