Drohende Pfändung deutscher Schulen
Lehrerverband wirft Athen „Kulturbarbarei“ vor

In den deutsch-griechischen Streit um Kriegsreparationen hat sich jetzt der Deutsche Lehrerverband eingeschaltet. Verbandschef Josef Kraus ist empört über die Athener Drohung, notfalls deutsche Schulen zu pfänden.
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BerlinDer Deutsche Lehrerverband hat mit scharfer Kritik auf die Drohung des griechischen Justizministers Nikos Paraskevopoulos reagiert, zur Durchsetzung von Reparationsforderungen notfalls deutsche Liegenschaften in Griechenland zu pfänden, darunter das Goethe-Institut von Athen, das traditionsreiche Deutsche Archäologische Institut sowie die deutschen Schulen in Athen und Thessaloniki.

„Mit der Schließung namhafter deutscher Kultureinrichtungen in Griechenland würde die dortige Regierung Kulturbarbarei betreiben“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Ich bin der festen Überzeugung, dass die große Mehrheit des griechischen Volkes zumal in Athen und Thessaloniki dies keineswegs will.“

Paraskevopoulos hatte am Mittwoch zu einer möglichen Beschlagnahme deutschen Eigentums erklärt, er sei bereit, die Pfändung deutscher Immobilien in Griechenland zu erlauben, falls es nicht zu einer Einigung mit Berlin über die Reparationsforderungen komme. „Ich beabsichtige, die Erlaubnis zu geben“, sagte Paraskevopoulos im griechischen Fernsehen.

Kraus sagte dazu: „Wohlwollend betrachtet, könnte man sagen: Die Griechen schlagen aus einer gewissen Ohnmacht nachvollziehbar verbal um sich.“ Da es sich aber um die Regierung eines Landes handle, das vor mehr als zweitausend Jahren eine Wiege der Demokratie und europäischer Kultur gewesen sei, müsse man leider festhalten: „Die griechische Regierung schadet ihrem Land und dessen Ansehen immer mehr.“

Die Bundesregierung sieht die Entschädigungsfrage als erledigt an und weist die Milliarden-Forderungen aus Athen weiter strikt zurück. Die Frage von Reparationen und Entschädigungszahlungen sei rechtlich und politisch umfassend und abschließend geklärt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.

Das Thema Reparationen belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten. Am Dienstag hatte das griechische Parlament beschlossen, erneut Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg an Berlin zu prüfen. Dazu wurde ein Ausschuss aller Parteien einberufen. Eine endgültige Entscheidung trifft die Regierung.

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  • Bei dem ganzen Gerangel befürchte ich nur eines:
    Solche Regierungen wird es in Zukunft wohl noch häufiger geben, denn Europa ist unter Merkel aus dem Ruder gelaufen.
    Man kann nicht davon reden, dass der Euro alternativlos ist, dann durch die Länder rennen und ständig nur Befehle erteilen nach dem Motto am Deutschen Wesen muß die Welt genesen.
    Adenauer und de Gaulle, die Väter der Europ. Union, würden sich im Grab umdreheen, wenn sie diesen kriminellen Dreckhaufen heute erleben müßten

  • Ich dachte immer, Erpressungen gibt es nur im Rotlichtmilieu oder in Kreisen mafioser Machenschaften. Offenkundig scheinen sich wohl Politiker zunehmend dieser Praktiken selbst zu bedienen. Dass sich die Linken hier auf eine Stufe mit Erpressern stellen, dokumentiert mehr als eindrücklich eine immer noch nicht aufgearbeitete Geschichte der eigenen Herkunft.

  • Die Syrizaregierung will auch 5,2 Billionen Euro als Entschädigung von den Türken fordern, wegen 400 Jahren grausamster Okkupation.

    An die Iraner (Perser) und Italiener (Römer) sind riesige Nachforderungen wegen den Verwüstungen der antikken hellenischen Besitztümer im gesamten Mittelmeerraum zu erwarten.

    Mazedonien muss fortan jederzeit mit seiner Annexion durch Griechenland rechnen. Jeder Quadratmeter dieses Landes ist letztlich von Griechenland gestolen.

    Und die Liste wird noch viel länger. Der rechtsradikale Verteidigungsminister des Landes hat gerade erst angefangen, entsprechende Forderungen und Berechnungen aufzustellen.

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