Ehec-Kostenexplosion
Experten fordern Krankenhaus-Hilfsfonds

Die zahlreichen Erkrankungen mit dem Darmbakterium Ehec drohen die Krankenhäuser finanziell zu überfordern. Am Ende könnte der Steuerzahler die Zeche zahlen, sollte die Politik nicht handeln, warnen Experten.
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Düsseldorf

Der Berliner Gesundheitsökonom Klaus-Dirk Henke hat wegen der zahlreichen Erkrankungen mit dem Darmbakterium Ehec vor einer finanziellen Überforderung der Kliniken gewarnt und Konsequenzen gefordert. "In Fällen wie der Ehec-Epidemie müsste es eine Art Feuerwehrfonds geben, der die erheblichen zusätzlichen Ausgaben auffängt", sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliche Finanzen und Gesundheitsökonomie an der Technischen Universität Berlin Handelsblatt Online.

Der Hilfsfonds könne beispielsweise gemeinsam von den privaten oder gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden. "Andernfalls wären Mittel aus dem Bundeshaushalt und den Haushalten der Länder bereitzustellen", sagte Henke. "Auch Rückversicherungen könnten für diesen Zweck von den Krankenkassen für die Zukunft abgeschlossen werden", fügte der Ökonom hinzu.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm. "Ich appelliere an die Politik angesichts der Ehec-Epidemie, die geplanten finanziellen Kürzungen für die Krankenhäuser zurückzunehmen", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Unterdessen geht die Suche nach der Infektionsquelle für den gefährlichen Darmkeim weiter: Bei ersten Proben aus einem Betrieb in Niedersachsen war nach Angaben des Gesundheitsministeriums kein Ehec-Erreger nachgewiesen worden. Die Ergebnisse weiterer Proben werden am Dienstagnachmittag erwartet.

Bundesweit ist die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen nach Angaben des Robert-Koch-Institutes seit Anfang Mai auf 22 gestiegen. Demnach starben 15 Menschen im Zusammenhang mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Sieben weitere Todesopfer waren mit EHEC infiziert. Die meisten Toten gibt es den Angaben zufolge in Niedersachsen (6) gefolgt von Schleswig-Holstein (5) und Nordrhein-Westfalen (4). Die Zahl der übermittelten Fälle sei seit Anfang Mai auf über 1.600 gestiegen. An dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) seien inzwischen 630 Personen erkrankt.

Baum sagte, die Epidemie zeige, wie wichtig es sei, in den Krankenhäusern Kapazitäten an Betten und Personal vorzuhalten, um solche schwierigen Situationen zu meistern. Derzeit könne die Lage nur bewältigt werden, weil die Kliniken untereinander Personal austauschten. "Die Kliniken machen heute alles, was für die Versorgung der Erkrankten notwendig ist - ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Leistungen am Ende von den Krankenkassen auch vergütet bekommen", sagte Baum.

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  • Als erstes müssen erst einmal die sogenannten und vielen selbst ernannten Experten in dieen Fond einzahlen und dann noch unsre Politiker, die unfähig sind, eine Krise zu meistern und jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf jagen.
    Bei den Bezügen die diese ganzen Herrschaften haben, dürften 2.000 € im Monat angemessen sein
    Bin mal gespannt, was für einen Verursacher für Ehec wir morgen ahben.
    Vielleicht der Blumenkohl oder das Radieschen?

  • Ich bin dafür, dass alle sogenannten Experten zum Teufel gejagt gehören, denn sie sind die Verursacher vieler Probleme in unserem Land.
    Basta.
    Danke

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