Einwohnerzahl
Deutschland wächst dank Zuwanderung weiter

Die Einwohnerzahl in Deutschland ist dank Zuwanderung erneut gestiegen, und zwar so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Als eine Ursache sehen Statistiker die vollständige Freizügigkeit für Rumänen und Bulgaren.
  • 20

BerlinDeutschland hat 2014 die höchste Zuwanderung seit 22 Jahren verzeichnet. Das Statistische Bundesamt erwartet nach einer am Mittwoch veröffentlichten ersten Schätzung, dass die Zahl der Zuzüge nach Deutschland die Zahl der Fortzüge um mindestens 470.000 übertroffen hat. Noch höher war die Zuwanderung zuletzt 1992, als rund 782.000 Menschen zuwanderten. Damit wurden die Zuwanderungszahlen von 2013 nochmals übertroffen.

Gründe dafür sind die Arbeitnehmerfreizügigkeit für die EU-Beitrittsstaaten Rumänien und Bulgarien, die wirtschaftliche Misere in Südeuropa und eine wachsende Zahl von Flüchtlingen. Etwa drei Viertel der Zuwanderer kommen aus EU-Staaten. Dies zeigt auch der Migrationsbericht auf Grundlage der Zahlen für 2013, der am Mittwoch vom Kabinett gebilligt wurde.

Die hohe Zuwanderung sorgte 2014 dafür, dass die Bevölkerung in Deutschland weiter gewachsen und nicht geschrumpft ist. Denn erneut starben mehr Menschen in der Bundesrepublik als geboren wurden. Trotz neuer Förderprogramme für Familien wie dem Elterngeld lag die Zahl der neugeborenen Kinder 2014 nach den ersten Schätzungen der Statistiker nur zwischen 675.000 und 700.000. Die Sterbefälle betrugen 875.000 bis 900.000.

Die Statistiker legten noch keine detaillierten Zahlen für 2014 vor. Die im Migrationsbericht aufgeschlüsselten Details für 2013 zeigen aber, dass unverändert die große Mehrheit der Zugewanderten aus Staaten der Europäischen Union kommt. Seit 1996 ist Polen das Hauptherkunftsland. Das dürfte sich 2014 geändert haben. Nach den Zahlen für die ersten fünf Monate 2014 führten Rumänen (36.200), Polen (22.700), Italiener (15.100), Bulgaren (13.500) und Kroaten (10.800) die Zuwandererliste aus der EU an. Ins Gewicht fällt aber auch der Bürgerkrieg in Syrien: Bis Mai 2014 waren fast 16.000 Syrer zugewandert, die drittgrößte Zuwanderergruppe nach Rumänen und Polen. Diese Entwicklung dürfte sich im Rest des Jahres fortgesetzt haben, da die Zahl der Asylbewerber aus Syrien weiter stieg.

Experten erwarten, dass die hohe Zuwanderung nicht von Dauer sein wird. Die Bevölkerung dürfte dann wieder schrumpfen, so dass es weniger Arbeitskräfte gäbe. Die Wirtschaft und auch die Bundesregierung werben daher um Zuwanderung aus dem Ausland. „Mit Einwanderung sichern wir in unserem Land dauerhaft Wachstum und Wohlstand angesichts unserer kritischen demografischen Entwicklung“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo. „Die meisten Einwanderer wollen arbeiten, etwas leisten, sie wollen sich beweisen und sind motiviert.“

In der Koalition wird daher darüber diskutiert, erstmals ein Einwanderungsgesetz zu verfassen. Während Teile der Union darin vor allem die bestehenden Regelungen übersichtlich bündeln wollen, will die SPD auch weitere Anreize für Zuwanderung setzen. Die SPD will bis Ende Februar ein Positionspapier vorlegen. In der Union war CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit dem Vorschlag eines Einwanderungsgesetzes auf Kritik gestoßen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Einwohnerzahl: Deutschland wächst dank Zuwanderung weiter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was ist der echte Gewinn, alles eingerechnet? Ausländische Arbeitekräfte? Was ist mit der Entwicklungshilfe? Wer bau die Länder auf? Was ist mit den alten Polen, wenn alle nur Deutsche pflegen versorgen? Nur menschenverachtend auf Anweisung unserer Politiekr, Manager??????

  • Guter Punkt!

  • Auf diese Zuwanderung braucht die Politik nicht stolz sein.
    Z. T. kommen die Leute tatsächlich nur in die Sozialsysteme, kann man statist. Bundesamt nachsehen.
    Und zum andren Teil beuten wir diese Länder aus.
    Wie sollen die je hoch kommen, wenn wir ihnen die Fachräfte wegnahmen?
    Aber weiterhin leben bei uns Millionen in Hartz IV, aber das sind ja Deutsche und die interessieren ja nicht
    Aber unsere Ärzte z. B. werden von der Politik verjagt. Ärzte, viele Krankenschestern sind nach Norwegen, Schweden und in die Schweiz gegangen, weil unsre Politik nicht in der Lage ist, die Arbeitsbedigungen zu verbessern.
    Hinzu kommt, dass Rot-Grün seinerzeit für viele Berufe den Meistertitel abgechafft hat.
    Hat zur Folge, ass sich Rumänen oder Bulgaren als Selbständige anmelden, ob die nun wirklich Fliesenleger sind oder nicht, ist nicht überprüfbar. Nach 3 Monaten, wenn die Selbständigkeit nicht läuft, haben sie Anspruch auf Hartz IV
    Und unsere deutschfeindlichen Politker wundern sich über Pegida.
    Wenn es so weitergeht, wird es nicht bei Pegida bleiben, sondern es wird Bürgerkrieg geben

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%