Elite-Unis
Wirtschaft will ein „deutsches Berkeley”

Die deutschen Arbeitgeber setzen sich für die Schaffung von Elite-Universitäten in Deutschland ein. „Die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird immer stärker durch den Mangel an qualifiziertem Nachwuchs bedroht“, warnte der Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, am Dienstag in Berlin.

BERLIN. Die Wirtschaft vermisst vor allem „sichtbare Leuchttürme“ in der deutschen Hochschullandschaft. Deshalb muss schnell „ein deutsches Berkeley“ her, forderte Hundt auf einer Tagung des BDA und des Wissenschaftsforums des Pharmaunternehmens Altana. Was die staatliche kalifornische Elite-Uni geschafft habe, müsse auch in Deutschland machbar sein.

Dafür fehlt jedoch bislang der nötige Rahmen, mahnen Arbeitgeber und Hochschulrektoren. Zwar haben Bund und Länder die Exzellenzinitiative gestartet. Damit sollen die Hochschulen, die in einem Wettbewerb siegen, über sechs Jahre 1,9 Mrd. Euro zusätzlich erhalten. Das ist ein Anfang, aber lange nicht genug, mahnte Altana-Vorstandschef Nikolaus Schweikart: „Es gibt keine einzige Spitzenuni auf der Welt, die ausschließlich staatlich finanziert, behördlich geregelt und gebührenfrei ist, Professoren Dauerarbeitsplätze bietet und dem Zwang unterliegt, alle Studenten aufzunehmen“, beschrieb der Manager den deutschen Normalfall.

Ganz anders Berkeley: Der Jahresetat von 1,4 Mrd. US-Dollar stammt zu drei Vierteln aus nicht-staatlichen Quellen, die Gebühren für die 33 000 Studenten liegen zwischen 3 300 und 12 000 Dollar je Semester, unter den Professoren finden sich acht Nobelpreisträger, in internationalen Rankings rangiert Berkeley auf Platz vier.

Das Geheimnis jedoch sei der „sehr viel schärfere Wettbewerb“, ist Eicke Weber, Materialwissenschaftler in Berkeley und Vertreter der dortigen deutschen Professoren, überzeugt. Der sorge dafür, dass die Professoren „ihren Hintern hochkriegen“, denn „in Berkeley bekommen sie keine Ausstattung, keine Assistenten gestellt, das müssen sie sich alles durch Drittmittel beschaffen“. So erkläre sich auch, warum Deutschland zwar ebenso viel Promovierte habe wie die USA, aber ungleich weniger Nobelpreisträger.

In Deutschland hingegen ist Wettbewerb noch reichlich ungewohnt. So hat der neue Exzellenzwettbewerb, dessen Gewinner im kommenden Jahr ausgewählt werden, zwar enormes Engagement und Kreativität in den Hochschulen ausgelöst. Doch am Ende werden die Verlierer in der Mehrzahl sein. „Wir hoffen, dass das nicht zu Frustration und Demotivation führt“, sagt die Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel.

Im Kampf gegen die andauernde Unterfinanzierung werden die Hochschulen nicht umhinkommen, sich selbst zusätzliche Geldquellen zu erschließen: durch Gebühren von den Studenten, das Einwerben von Drittmitteln und „den noch immer brachliegenden Weiterbildungsbereich“, mahnt Hundt. Gerade durch die demographische Entwicklung biete sich hier ein riesiger Markt. In den Unternehmen steige die Bereitschaft, engagierten Mitarbeitern einen berufsbegleitenden Masterabschluss zu ermöglichen. „Dafür jedoch müssen die Hochschulen attraktive Angebote platzieren“, fordert der BDA-Präsident. Flächendeckend soll das zweistufige Bachelor-/Mastersystem zudem erst 2010 eingeführt sein.

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