Energieerzeugung
Von Pierer will noch längere AKW-Laufzeiten

Der ehemalige Siemens-Chef und künftiger Merkel-Berater Heinrich von Pierer spricht sich für deutlich längere Laufzeiten der Kernkraftwerke in Deutschland aus, als es CDU und CSU im Falle einer Regierungsübernahme beabsichtigen

HB DÜSSELDORF. "Wir werden auch eine Neubewertung der Kernenergie vornehmen müssen", sagte von Pierer dem Handelsblatt. "Es reicht nicht aus, nur die Laufzeiten der Atomkraftwerke von 32 auf 40 Jahre zu verlängern. In anderen Ländern, wie beispielsweise den USA werden gegenwärtig Pläne umgesetzt, die Lebensdauer auf 60 Jahre zu verlängern. Das ist machbar."

Damit geht von Pierer weit über die Vorstellungen der Union hinaus, die im Falle eines Wahlsieges bereits die Revision des Atomkonsenses der rot-grünen Bundesregierung angekündigt hatte. SPD und Grüne hatten den Betreibern für ihre Meiler Restlaufzeiten zugeteilt, die sich in der erzeugten Strommenge bemessen. Den ältesten Kraftwerken wurden die geringsten Restlaufzeiten zugebilligt, weswegen in dieser Legislaturperiode die Meiler Stade (Niedersachsen) und Obrigheim (Baden-Württember) vom Netz gingen.

Als letzte Reaktoren würden nach dem Atomkonsens die Blöcke Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg heruntergefahren. Wie lange die Union die Meiler am Netz lassen will, ist offen. Ein gängiger Vorschlag stammt vom Umweltexperten der Bundestagsfraktion, Peter Paziorek. Er hat angeregt, die Laufzeit der einzelnen Reaktoren um jeweils acht Jahre zu verlängern.

Paziorek hatte zudem gefordert, dass die Stromkonzerne für die längere Laufzeit eine Gegenleistung erbringen. Der CDU-Politiker schlug einen Fonds vor, in den die Betreiber der Atomkraftwerke einzahlen. Mit dem Geld sollten die industriellen Kraftwerksbetreiber unterstützt werden, die besonders unter den hohen Strompreisen leiden. Die Lobbyorganisation Deutsches Atomforum hatte den Vorstoß kategorisch abgelehnt.

Heinrich von Pierer ist seit seinem Rücktritt als Siemens-Vorstandschef Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns. Siemens "hat zusammen mit KWU und AEG seit mehr als 40 Jahren Kernkraftwerke entwickelt und gebaut. 23 Kernkraftwerks-Blöcke mit deutschem Design sind in 6 Ländern in Betrieb, einer ist im Bau", heißt es auf der Website des Konzerns Framatome ANP. In dieser Firma haben Siemens und die französische Framatome ihre nuklearen Aktivitäten im Jahr 2001 zusammengelegt.

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