Energiewende
Bund will acht Kraftwerke als Stromreserve

Zum Schutz vor Blackouts will die Bundesregierung per Ausschreibung acht Kraftwerke unter Vertrag nehmen. So sollen im Notfall auch dann genug Stromreserven verfügbar sein, wenn die letzten Atomkraftwerke vom Netz sind.
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BerlinDie Bundesregierung will zur langfristigen Sicherung der Stromversorgung etwa acht größere Kraftwerke unter Vertrag nehmen. Angesichts wachsender aber schwankender Ökostrom-Mengen sollten 4000 Megawatt Leistung zum Schutz gegen Blackouts als Reserve dauerhaft bereitstehen, heißt es in einem Papier des Wirtschaftsministeriums, das der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlag. Dies entspricht etwa fünf Prozent des Jahreshöchstverbrauchs oder der Leistung von beispielsweise acht größeren Kohlekraftwerken.

Die Anlagen sollen dem Staat in einer Ausschreibung angeboten werden, aber im Besitz der Versorger bleiben. Die voraussichtlich älteren Kraftwerke dürfen dann nicht mehr für den Markt produzieren, stehen aber für Notfälle als Kapazitätsreserve bereit. Dafür sollen die Versorger einen Ausgleich für die Vorhaltekosten bekommen, der voraussichtlich auf die Stromrechnungen der Verbraucher umgelegt wird.

Das Ministerium hält die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Reserve zum Einsatz kommt, für gering. Selbst für die Jahre 2021 bis 2025, also wenn die letzten AKW dann vom Netz sind, gehe man von einer Versorgungssicherheit von nahezu 100 Prozent aus. Die Kapazitätsreserve sei daher „ein Hosenträger zum Gürtel“, heißt es in dem Papier.

Unabhängig davon existiert bereits eine Netzreserve, die regionale Engpässe aufgrund fehlender Stromleitungen vor allem in Süddeutschland abfangen soll. Das Ministerium geht in seinem Papier jedoch davon aus, dass diese Reserve mit weiterem Leitungsbau in den kommenden Jahren weitgehend überflüssig wird.

Zudem könnten Kraftwerke aus der neuen Kapazitätsreserve, die in diesen Regionen liegen, die Aufgabe als Netzreserve zusätzlich übernehmen. Die Stromwirtschaft mit den angeschlagenen vier großen Versorgern Eon, RWE, Vattenfall und EnBW hatte lange darauf gesetzt, dass über einen sogenannten Kapazitätsmarkt ein Großteil der konventionellen Kraftwerke subventioniert werden könnte.

Die Regierung hat dies abgelehnt, weil in Deutschland weit mehr Strom als nötig produziert wird und dies durch den Ausbau erneuerbarer Energien noch zunimmt. Strom wird dadurch in wachsendem Ausmaß exportiert, während zugleich rund 50 Kraftwerke zur Abschaltung angemeldet sind.

Das Wirtschaftsministerium will in den Phasen, wo der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, auch extrem hohe Strompreise am Markt zulassen, die bisher aus rechtlichen Gründen kaum möglich sind. Die Regierung geht aber davon aus, dass der Markt sich darauf einstellt und dies nur selten der Fall ist. Sollte die Reserve dennoch in Anspruch genommen werden müssen, werden dem Papier zufolge die Lieferanten zur Kasse gebeten, die sich keine ausreichende Kapazitäten für ihre Kunden am Markt gesichert hatten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Energiewende: Bund will acht Kraftwerke als Stromreserve"

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  • Die Aussage ist nicht ganz richtig: "Die Stromwirtschaft mit den angeschlagenen vier großen Versorgern Eon, RWE, Vattenfall und EnBW hatte lange darauf gesetzt, dass über einen sogenannten Kapazitätsmarkt ein Großteil der konventionellen Kraftwerke subventioniert werden könnte."

    Sowohl EnBW als auch Vattenfall sehen einen Kapazitaetsmarkt eher kritisch. Als Hydrostromproduzent wuerde EnBW eher von volatilen Preisen profitieren. Ein Kapazitaetsmarkt auf der anderen Seite wuerde Volatilitaet am Grosshandelsstrommarkt eher verringern.

    Und das ist von der Vattenfall Hompage: "Höhere Marktpreise in Knappheitszeiten und damit Investitionsanreize für ergänzende Spitzenlastkapazitäten können nur dann erzielt werden, wenn die vorhandenen Überkapazitäten abgebaut werden. Deshalb dürfen überschüssige Kraftwerke nicht künstlich mit Kapazitätszahlungen im Strommarkt gehalten werden."

  • >> Bund will acht Kraftwerke als Stromreserve >>

    Die Abzocke geht weiter.

    Nach und nach kommen die "Bescheuerten und Bekloppten" mit der Erkenntnis an die Oberfläche, dass sie eine DOPPELTE ENERGIOEVERSORGUNG Deutschlands auf Kosten der verblendeten Verbraucher aufbauen.

    Ob diese Back-Ups aus acht Kraftwerken bestehen oder 80 ist doch absolut sekundär.

    Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, muss für diese unnütze Zufallsenergie eine Reserve zu 100 % her........so will das auch das Grundgesetz zu Energiesicherheit des Landes.

    Und mit Abschaltung der AKW's müssen dann eben stinkenden Kohlekraftwerke oder sehr teure Öl- und Gaskraftwerke in die Bresche springen.

    So will es die Physik, wenn man den Strom nicht speichern kann.

    Sehr viele verstehen diese simplen Zusammenhänge immer mehr....nur beim Doktor der Physik, Frau Merkel, hat sich das noch nicht herumgesprochen. Die Physik hinter der Mauer war wohl auch eine andere.....???!!!

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