Entlassungen
Merkel ermahnt die Unternehmen

Angela Merkel (CDU) hat ein Machtwort gesprochen. Allerdings richtete sich die Ermahnung nicht wie erwartet an die eigene Partei, sondern an die Unternehmen in Deutschland. Die Kanzlerin kritisierte in einem TV-Interview "die tausenfachen Entlassungen".

HB BERLIN. „Es gibt ein Gefühl, dass es sich manche Unternehmen zu leicht machen, Menschen zu entlassen“, sagte Merkel dem Nachrichtensender N24 in Berlin. Soziale Marktwirtschaft bedeute, dass Unternehmen ihre Freiheit nicht dazu nutzen sollten, sich von Arbeitnehmern zu trennen, sondern sie zu halten, sagte die Kanzlerin.

Merkel reagierte damit auf Ankündigungen großer deutscher Unternehmen, verstärkt Stellen abzubauen. Ein jüngstes Beispiel ist Deutschlands größter Versicherer Allianz. Am 22. Juni kündigte der Konzern den Abbau von 7500 Arbeitsplätzen in Deutschland an: 5000 im Versicherungsgeschäft und 2.500 bei der hundertprozentigen Konzerntochter Dresdner Bank. Bei der Allianzversicherung ist dies mit der Schließung von elf der 21 Standorte und Niederlassungen verbunden.

Auch bei VW soll entlassen werden. Volkswagen verfolgt bei seiner Kernmarke VW einen Sanierungskurs und hat in seinen sechs westdeutschen Werken bis zu 20 000 Arbeitsplätze in Frage gestellt, ein Fünftel der Belegschaft. Allein bis zu 14 000 Beschäftigte sollen in den nächsten Jahren in vorgezogenen Ruhestand gehen. Rechnerisch müssten sich so noch bis zu 6000 Mitarbeiter bereit erklären, mit Abfindungen auszuscheiden. Kündigungen sind allerdings durch den im November 2004 geschlossenen Tarifvertrag bis 2011 ausgeschlossen. Über Sanierungsschritte laufen Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung.

Im Jahr 2004 hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein großes Spar- umd Umbauprogramm angestoßen, das 6400 Mitarbeiter den Job kostete und ihm viel Kritik aus der Politik einbrachte. Zugleich wurden Arbeitsabläufe gestrafft und Jobs in Länder mit günstigerem Lohnniveau verlagert, obwohl die Deutsche Bank hohe Gewinne schrieb.

2005 sorgte dann der jetzige Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) mit seiner "Kapitalismuskritik" für Aufsehen. Dabei hatte er die Wirtschaft stark angegriffen und eine stärkere Rolle des Staates gefordert. Überzogene Managergehälter und fehlende Unternehmerethik seien "marktradikal und asozial", so Müntefering. FDP und Union warfen ihm damals Wirtschaftsfeindlichkeit vor.

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