Entspannung am Markt
Unternehmen fürchten Lehrlingsmangel

Zu Beginn des Ausbildungsjahres ist die Lage am Lehrstellenmarkt entspannt wie seit Jahren nicht: Bundesweit gibt es nur noch 9 600 unversorgte Bewerber – aber 17 300 offene Stellen. Nun mehren sich jedoch die Sorgen in der Wirtschaft, dass es in Zukunft immer schwerer wird, Lehrstellen zu besetzen.

BARBARA GILLMANN | BERLIN

Zu Beginn des Ausbildungsjahres ist die Lage am Lehrstellenmarkt entspannt wie seit Jahren nicht: Bundesweit gibt es nur noch 9600 unversorgte Bewerber - aber 17 300 offene Stellen. Das meldet die Bundesagentur für Arbeit (BA). Zum zweiten Mal in Folge ist somit das Angebot höher als die Nachfrage. Nun mehren sich jedoch die Sorgen in der Wirtschaft, dass es in Zukunft immer schwerer wird, Lehrstellen zu besetzen.

Ursache der aktuell guten Lage ist ein Wettlauf nach unten: Industrie, Handel, Handwerk und die freien Berufe haben im Krisenjahr bis Ende September noch 455 000 neue Lehrlinge eingestellt - das waren fast acht Prozent weniger als 2008. Parallel dazu ist jedoch die Zahl der bei der BA gemeldeten Bewerber förmlich eingebrochen: Ihre Zahl ging gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf noch 533 000 zurück. Im Vergleich zu 2007 betrug die Differenz sogar ein Viertel.

Das liegt vor allem daran, dass seit 2008 weniger Jugendliche die Schulen verlassen. Dazu kommt, dass die Bugwelle von Altbewerbern, die bei der Suche nach einer Lehrstelle in den Vorjahren leer ausgegangen waren, langsam aber sicher abflaut. Im vergangenen Jahr war noch mehr als jeder zweite Lehrstellen-Interessent ein Altbewerber - in diesem Jahr sind es nur noch 46 Prozent.

Die Wirtschaft blickt nun mit Sorge in die Zukunft, denn der Rückgang bei der Zahl der Schulabsolventen hat gerade erst begonnen. Daher fordert das Handwerk als Ersatz für den auslaufenden Ausbildungspakt schon jetzt einen "Pakt für Fachkräftesicherung". Der Wirtschaft gehen die Bewerber aus", warnt der Chef des Zentralverbands des Handwerks, Holger Schwannecke. Allein im Handwerk seien derzeit noch 9000 Lehrstellen unbesetzt - 50 Prozent mehr als 2008. "Das Problem wird sich in den kommenden Jahren verschärfen", schätzt Schwannecke. Daher müsse man nun "sämtliche Potentiale am Ausbildungsmarkt erschließen".

Nach Ansicht der Gewerkschaften ist noch Luft im System: Anders als die BA zählt der DGB 83 000 Jugendliche, die Ende September noch keine Lehrstelle hatten, indem er die Tausenden in den Warteschleifen dazuzählt. Daneben kritisiert der DGB, die BA korrigiere von vorneherein die Bewerberzahl nach unten, indem sie "nicht geeignete" Interessenten aus der Statistik nehme.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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