Entwicklungsminister
Somalia-Hilfe sollte auch aus Arabien kommen

Die Vereinten Nationen haben eine Luftbrücke etabliert, um die Menschen in Somalia vor dem Hungertod zu retten. Doch aus der arabischen Welt scheint keine Hilfe zu kommen. Anlass zur Kritik für Entwicklungsminister Niebel.
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BerlinEntwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat die reichen arabischen Staaten aufgefordert, endlich Hilfe für die hungernden Menschen in Somalia zu leisten. Von diesen Staaten „war bisher noch nichts zu hören“, kritisierte Niebel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

„Ich bin schon sehr verwundert darüber, dass die Masse aller Hilfszusagen aus Europa und Nordamerika kommen.“ Auch die betroffenen Länder Kenia, Äthiopien und Uganda engagieren sich. „Aber von den reichen arabischen Staaten, den muslimischen Staaten, gerade den Golfstaaten ist noch nicht erkennbar, dass sie ihren Glaubensbrüdern und -schwestern irgendeine Hilfe zukommen lassen. Das halte ich für sehr bedenklich. Und ich wundere mich, wo hier die Mitmenschlichkeit ist.“

Niebel appellierte an die Golfstaaten inklusive Saudi-Arabien, „ihrer Verantwortung gerecht zu werden, und mit ihren großen finanziellen Möglichkeiten dazu beizutragen, dass die armen Menschen insbesondere in Somalia, aber auch in den Nachbarländern nicht dem Hungertod anheimfallen“.

Die Situation in Somalia sei verworren. Es sei nicht klar, ob die Milizenführer tatsächlich Hilfe zulassen oder nicht. „Wichtig ist daher, dass die Afrikanische Union den politischen Dialog mit den (islamistischen) Al-Schabaab-Milizen sucht. Das heißt nicht, dass man sie politisch anerkennt. Aber man muss den Fakt anerkennen, dass sie über weite Teile Somalias schlichtweg militärische Gewalt ausüben.“

Mit Blick auf den Wiederaufbau des Landes nach der derzeitigen akuten Hungersnot sagte der Minister: „Ich bin sicher, dass gerade vor dem Hintergrund des islamistischen Terrors in Somalia eine Einbeziehung der arabischen Staaten, der muslimischen Staaten zwingend notwendig ist.“ Und dies auch deswegen, „weil es ohne Bildungs- und Infrastrukturmaßnahmen, die viel Geld kosten werden, keinen Fortschritt geben kann. Hier besteht gerade bei den arabischen Staaten ein großes Eigeninteresse, für mehr Stabilität am Horn von Afrika zu sorgen.“ Mit dem Jemen werde gerade versucht, ein anderes arabisches Land nicht untergehen zu lassen. „Das haben wir in Somalia verpasst. Da muss jetzt nachgearbeitet werden.“

Auch US-Präsident Barack hat am Freitag eine internationale Reaktion auf die sich abzeichnende Hungerkatastrophe in Ostafrika angemahnt. Auch sein Land habe dem Problem bislang nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet, räumte Obama nach einem Treffen mit den Präsidenten von Benin, Guinea, der Elfenbeinküste und Niger im Weißen Haus ein.

Obama nahm ebenfalls die afrikanischen Länder in die Pflicht. „Wir werden Zeuge, wie sich am Horn von Afrika eine Hungersnot ausbreitet, vor allem in Somalia“, erklärte er. „Das wird eine internationale Reaktion erfordern. Und auch Afrika wird seinen Beitrag leisten müssen, um sicherzustellen, dass zehntausende Menschen nicht verhungern.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Danke für Ihre offenen Wort und Hilfe für Somalia.
    Mogadishu Voluntary Hospital
    Förderverein Helft Somalia e.V.
    somaliahilfe com

  • Die europäische und US-Hilfslieferungen begünstigen einige Clans und andere Großfamilien werden systematisch benachteiligt.
    Das führt natürlich zu Unruhen.

    Genau das ist aber der Zweck der Übung: Wenn sich die Clans untereinander anfeinden, malt sich der Westen aus als "Friedensstifter" aufzuteten und das zerstrittene Land unter einer Einheitsregierung zu vereinigen.
    Dann braucht man nur noch einen Karsai-ähnlichen Regierungschef, und voilá - freie Bahn für die Ausbeutung!

    Das ist auch der Grund weshalb die Übergangsregierung international anerkannt ist. Die meisten Einheimischen lehnen sie aber ab, und so kommt es zu Auseinandersetzungen.

    Ohne die internationalen UN-Truppe der Afrikanischen Union wäre die Übergangsregierung längst weg vom Fenster.

    Das somalische Volk will nämlich gar keine Zentralregierung, auch nicht als Übergangslösung.
    Das Volk vertraut lieber den lokalen Autoritäten ihrer Clans.

    Der Westen aber unterstützt die Regierung und instrumentalisiert die Afrikanische Union um Al-Shabbab zu bekämpfen.
    Warum??
    Weil weil der Westen befürchtet, daß die islamische Organisation Al Shaabab nicht nur den Süden des Landes regiert, sondern - aus Somalia einen islamischen Staat macht.

    Das sind keine Mutmaßungen von mir, sondern westliche Politiker sagen das ganz unverholen. Deshalb gibt es auch ein Bundeswehr-Mandat für Somalia!
    Fortführung der EU-Trainingsmission in Somalia wird im Bundestag diskutiert.

  • Somalia ist durch Stämme organisiert (ähnlich wie Afghanistan), mit dem Unterschied daß sie keine festen Gebietsansprüche haben denn die meisten sind Nomaden.
    Jede dieser Großfamilien regiert sich also selbst (nach überwiegend islamischen Regeln), und auch untereinander kommen sie klar (so lange keine Einmischung von außen einwirkt).

    Diese Art der Organisation ist den westlichen Ländern ein Dorn im Auge.

    Deshalb wollen sie eine Zentralregierung nach westlichem Vorbild durchsetzen, denn die kann man viel leichter beeinflussen als all die einzelnen "Häuptlinge".

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