Ersatzmann Brüderle
„Es war gar nicht so schwer“

Der Zufall hat es mit ihm nicht sonderlich gut gemeint. Aufgebrachte Amerikaner, angespannte Chinesen, Nachtsitzungen und viele bilaterale Gespräche – lange war ein G20-Finanzministertreffen nicht mehr so spannungsgeladen wie am Wochenende in Südkorea. Der Auftritt des Ersatz-Finanzministers war dennoch fehlerfrei.
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GYEONGJU. „Schlaf ist in Korea ein Fremdwort“, sagt der Wirtschaftsminister sichtlich erschöpft nach seinem ersten und wahrscheinlich einzigen Einsatz als Ersatzmann für den erkrankten Finanzminister Wolfgang Schäuble. Die Diskussionsprozesse seien bis an die Grenze der Belastbarkeit gegangen. Härter als die Verhandlungen unter den G20-Ländern seien nur die Schlachten im Bundesrat, sagt Brüderle.

Eineinhalb Tage hatte der Wirtschaftsminister Zeit, die Bedenken auszuräumen, er könne den Job von Schäuble nicht kurzfristig übernehmen. Brüderle präsentierte sich in Gyeongju als erfahrener und souveräner Weltökonom. In Hintergrundgesprächen beeindruckte er mit präziser Analyse, in Pressekonferenzen ließ er sich nicht aufs Glatteis führen, und in den Verhandlungsrunden vertrat er selbstbewusst die deutsche Position.

Wechselkursschwankungen, globale Ungleichgewichte und internationale Wirtschaftsbeziehungen sind für den studierten Volkswirt keine Fremdwörter. Seine ordnungspolitischen Prinzipien stammen aus der Zeit als Student und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Mainz. Wie selbstverständlich spricht er über Wechselkurstheorien und die Geschichte des Internationalen Währungsfonds (IWF). Vom provinziellen und tapsigen Pfälzer ist in solchen Momenten nichts zu spüren.

Dass Ordnungspolitik für Brüderle nicht nur in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern stattfindet, lässt er in Südkorea selbst die Supermacht USA spüren. Den Vorschlag des amerikanischen Finanzministers Timothy Geithner, Defizite und Überschüsse von Leistungsbilanzen auf einen bestimmten Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen, wies Brüderle mit harschen Worten zurück.

Ausgerechnet den selbstbewussten Geithner warnte er vor einen „Rückfall in planwirtschaftliches Denken“. Wichtiger sei „eine Stärkung des marktwirtschaftlichen Prozesses“, argumentierte der deutsche Wirtschaftsminister an die Adresse der Amerikanern. Solche Sätze mussten für die Amerikaner, die in den vergangenen Jahrzehnten die mit Abstand meisten Wirtschaftsnobelpreise kassiert haben, wie eine Lehrstunde in Sachen Ökonomie gewirkt haben.

Weil auch andere Länder Bedenken gegen die Pläne der US-Administration äußerten, führten Brüderles Verbalattacken nicht zu diplomatischen Verwerfungen. Wie der Bundesfinanzminister spricht Brüderle fließend Englisch. Eine Grundvoraussetzung, um auf einem G20-Finanzministertreffen zu überstehen.

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