Erstattung von Brillengläsern
Optiker Fielmann kämpft gegen Krankenkassen

Gegen einen vermeintlichen Rechtsbruch bei der Erstattung von Brillengläsern zieht der Optiker Fielmann mit Werbespots und möglichen Klagen in den kampf. Grund sei, so Unternehmer Günther Fielmann in Hamburg, das die Kassenleistung nur noch erhält, wer seine fertige Brille bis zum Jahresende abholt.

HB HAMBURG. Da die Rahmenverträge nicht gekündigt wurden und somit fortbestünden, sei nach wie vor das Datum des Rezepts maßgeblich für den Erstattungsbetrag, nicht die Fertigstellung der Brille, sagte Fielmann. „De facto wir die Gesundheitsreform um fast einen Monat vorverlegt. Das ist Rechtsbruch.“

Am 25. November haben sich laut Fielmann die Spitzenverbände der Krankenkassen in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung darauf geeinigt, auf das Abgabedatum der fertigen Brille abzustellen. „Dies führt zu einer unerträglichen Ungleichbehandlung der Versicherten“, sagte Fielmann. Ein Fehlsichtiger mit schwachen Gläserstärken könne auf Abwicklung innerhalb weniger Tage hoffen. Wer aber heute eine komplizierte Mehrstärken-Brille beim Optiker bestelle, habe kaum eine Chance, diese im alten Jahr abholen zu können, sagte Fielmann. Lieferzeiten für solche Gläser lägen derzeit „jenseits von zwei Wochen“, hinzu komme noch die Fertigungszeit in der Werkstatt des Augenoptikers.

Damit die Kunden dennoch ihre Kassenleistung aus dem Dezember bekommen, will sich Fielmann ihre Ansprüche abtreten lassen, sie sammeln und dann gegebenenfalls klagen. „Die Krankenkassen stehlen sich aus der Verantwortung“, monierte Fielmann. Er bezifferte die in Anspruch zu nehmende Kassenleistung im Dezember auf 60 Millionen bis 100 Millionen Euro bei rund 1,5 Millionen Berechtigten. Fielmann, der Brillen zum Nulltarif anbietet, schätzt sein Risiko im Dezember auf rund 12 Millionen bis 20 Millionen Euro.

Nachfrageschub durch Gesundheitsreform

Weil die Betroffenen von den Krankenkassen nicht über die neue Praxis informiert wurden, prangert Fielmann den in seinen Augen Rechtsbruch von Freitag an in Werbespots an. „Alle halbe Stunde, quer durch die Bundesrepublik und massiv in Bonn und Berlin“ soll die Werbung zu hören sein.

Angesichts des Wegfalls von Zuzahlungen auf Brillengläser im Zuge der 2004 einsetzenden Gesundheitsreform hat auch die Fielmann-Gruppe im Vorfeld einen Nachfrageschub verspürt. Die Kapazitäten in den in- und ausländischen Werkstätten seien teilweise mehr als verdoppelt worden; bis zu 40 000 Brillen würden derzeit täglich gefertigt, berichtete Fielmann. Die Stückzahl schnellte im Dezember um 200 Prozent nach oben. 5,7 Millionen Brillen sollen 2003 in Deutschland verkauft werden (Vorjahr: 4,4 Mio). Für das Gesamtjahr erwartet der Firmenchef einen Gewinn nach Steuern von 58 Millionen Euro (Vorjahr: 45 Mio Euro). Der Umsatz soll um 15,5 Prozent auf 930 Millionen Euro (807 Mio Euro) steigen.

Im nächsten Jahr rechnet Fielmann dann mit einer Nachfragedelle und einem auf 70 bis 80 Millionen Euro (2003: 93 Mio Euro) zurückfallenden Gewinn vor Steuern. Der Umsatz soll bei 700 Millionen Euro liegen.

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