Euro-Krise
BDI-Präsident Keitel stützt Merkels Euro-Kurs

In einem Brief an die wichtigsten Unternehmens- und Verbandsvertreter im BDI, schreibt dessen Präsident, „die langfristige Sicherung der Währungsunion liegt im elementaren Interesse jedes Einzelnen von uns“.
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BerlinIn der Debatte um die Zukunft des Euro und der Rettung der europäischen Wirtschaft meldet sich jetzt erstmals der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zu Wort und unterstützt den Kurs von Bundeskanzlerin Merkel. In einem dem Handelsblatt vorliegenden Brief an die wichtigsten Unternehmens- und Verbandsvertreter im BDI, schreibt dessen Präsident Hans-Peter Keitel, „die langfristige Sicherung der Währungsunion liegt im elementaren Interesse jedes Einzelnen von uns“.

Auch trat Keitel Stimmen in der Wirtschaft entgegen, die auf einen Austritt Griechenlands oder anderer Staaten aus der Euro-Zone setzen: „Jeder Schritt zurück in der europäischen Integration würde unkalkulierbare Risiken für die wirtschaftliche und politische Stabilität bedeuten.“
In seinem Brief unterstützt Keitel die Strategie Merkels in Europa einen „Konsolidierungs- und Reformkurs sowie wichtige Strukturreformen einzufordern“. Die ausgeuferte Verschuldung sei der „die Wurzel unseres Problems“. Keitel begründet seine Befürwortung der Euro Rettung mit dem Hinweis, dass die Unternehmen in Deutschland, ihre Belegschaften und Familien „erhebliche Vorteile“ erzielen konnten. Wachsende Exporte in den Euro-Raum, Druck zu höherer deutscher Wettbewerbsfähigkeit, stabilere Wechselkurse und Preise, niedrigeres Zinsniveau und ein höheres „wirtschaftliches Gewicht“ um deutsche Interessen vertreten zu können, seien die Pluspunkte der europäischen Währung.
Der BDI-Präsident hebt laut Handelsblatt in seinem Brief sechs Punkte hervor, die keinen Rückschritt hinter die bisherige europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik erlauben würden. So habe der Euro den Handel Deutschlands mit dem Euro-Raum gestärkt. Allein im vorigen Jahr seien die deutschen Exporte in den Euroraum abermals um 8,6 Prozent gestiegen. Insgesamt gingen 2011 rund 40 Prozent der Exporte deutscher Firmen in die Euro-Zone. Darüber hinaus seien die Wechselkursschwankungen des Euro zum Dollar geringer ausgefallen als die Schwankungen der D-Mark zum Dollar in den 1980er und 1990er Jahren.
Darüber hinaus verschaffe vor allem der Euro Deutschland das politische Gewicht, um international seine politischen Interessen zu wahren. So sei der deutsche Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt rückläufig. Nur die EU sei ein wirklicher „Global Player“: „Mit fast einer halben Milliarde Menschen erzeugt sie ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung.“ Jeder europäische Einzelstaat könne für sich allein kein „Global Player“ sein – selbst Deutschland nicht, schreibt der BDI-Präsident.

Zugleich kritisiert Keitel einzelne Stimmen aus dem eigenen Lager, vor allem dem Lager der Familien-Unternehmen. Er halte „nichts von populistischen Spekulationen und Mutmaßungen über finanzielle Belastungen sowie angeblich undemokratische fiskalpolitische Mechanismen“. Es passe nicht zum „Selbstverständnis“ der Wirtschaft, „in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ökonomischen Aktionismus und waghalsige Manöver von der Politik einzufordern“.

Keitel fordert, dass in Europa eine neue Stufe der politischen Integration erreicht werden müsse. Die Krise habe gezeigt, „dass eine gemeinsame Währungspolitik eine Vergemeinschaftung wichtiger Elemente der Wirtschafts- und Finanzpolitik erfordert“.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.
Michael Inacker
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Euro-Krise : BDI-Präsident Keitel stützt Merkels Euro-Kurs"

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  • Deshalb muss es zu wichtigen Entscheidungen Volksabstimmungen geben, dass das dem Parteiklüngel nicht mehr möglich ist.
    Das Wahlsystem muss geändert werden insbesonders bei der 2. Stimme

  • @ Ameliegnom,
    Ihre Schlussfolgerung ist nicht korrekt.
    Es geht zwar "alle Macht vom Volke aus", aber das Volk wird durch die gewählten "Volkstreter" vertreten.

  • >schreibt dessen Präsident Hans-Peter Keitel, „die langfristige Sicherung der Währungsunion liegt im elementaren Interesse jedes Einzelnen von uns“. <
    von Ihnen vielleicht, Herr Keitel, sie leben aber in einer Parallelgesellschaft denn wir, das Volk sehen das ganz anders. Und wir werden das verhindern, das können sie für bare Münze nehmen.
    Noch!!! geht alle Macht vom Volke aus und nicht von der Wirtschaft.

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